Wednesday, November 30, 2005
Essen
gestern sah ich die Schlange wieder - diesmal vor unserem Haus. Es ist eine "rat snake". Sie ist nicht giftig, sondern verschlingt Ratten und Aehnliches. Ooops, Thema verfehlt.
Als ich vor 20 Jahren nach 5 Wochen Indien zurueck kehrte, hatte ich 6 Kilo Koerpergewicht verloren - Durchfall (bzw. Bombay Dance). Hier ereilt mich das Gegenteil. Die Ursache ist mir nicht klar. Psychosomatische Verschlossenheit? Ernaehrung?
Das Fruehstueck war immer ein Problem. In aergerlicher Anpassung an meinen vermeindlich angelsaechsischen Geschmack bekomme ich Labberweissbrot der britischen Machart vorgesetzt. Teller und Besteck sind nass. Vor mir stehen Marmite, Margarine, Chillipaste, Zucker, Industriemarmelade. Diese Problem habe ich jetzt aber auf zweierlei Weise geloest. Zum einen machte ich durch ueberdeutliches Lob fuer die selbstgebackenen Rotis (Mehl, Kokosflocken, Salz, Wasser) deutlich, dass ich sie den abgepackten Waschlappen - wie ich sie seit 40 Jahren nenne - vorziehe. Ausserdem kaufe ich Mangos und Ananas, die ich der Oma zur Zubereitung uebergebe (ich habe in der Kueche zum Glueck - Ameisen, Schmiere - nichts zu suchen). Zusaetzlich habe ich eine fuer hiesige Verhaeltnisse suendhaft teure Packung All Bran gekauft, die ich zunaechst mit Joghurt zu essen gedachte, bis ich merkte, dass ungezuckerter Joghurt nicht zu haben ist. Jetzt mische ich stattdessen Bueffel-Curd mit etwas Wasser.
Ich lebe seit 2 Monaten vegetarisch mit Ausnahme des Intervalls im Hotel. Zum Mittagessen bekomme ich einheimische Kost. Sie entspricht in etwa dem, was ich mir zu Hause selber koche: Gemuese-Curry mit Reis. Ich geniesse verschiedenste in Europa voellig unbekannte Gemuesesorten. Darueber hinaus gibt es Bohnen-, Peperoni-, Kuerbis-, Moehren-, und rote Beete-Curry. Die Currys werden mit den ueblichen Gewuerzen und etwas Kokosnussmilch zubereitet. Immer gibt es Dal (gewuerzter Linsenbrei) dazu. In Ratnapura assen wir roetlichen Reis, hier an der Suedkueste weissen. Zu den Currys wird Papadam gereicht. In den einheimischen Restaurants und auch in der Familie in Ratnapura gehoerte zu jeder Mahlzeit ein Schaelchen voll Sambul. Sambul besteht aus Kokosraspeln, zerkleinerten trockenen Chillis, Ziebeln, Salz und getrocknetem Minifisch. Die meisten Einheimischen, auch die Moenche, essen Fleisch, hauptsaechlich Haehnchen und sehr viel Fisch unterschiedlichster Art. Wenn ich die Fliegen auf den Fischen in den Verkaufsstaenden sehe, lasse ich das lieber bleiben, wie der vorsichtige Bremer sagt.
Die hiesigen Desserts sind ziemlich suess und nichts fuer mich. Ganz angenehm ist noch eine Art Bueffel-Curd mit Honig oder eher Melasse. Das traditionelle Gebaeck ist auch nicht `my cup of tea` - zu wenig interessante Gewuerze, zu viel Oel. Nur ein kardamomhaltiges Gebaeck hat es mir trotz des Oelgehalts angetan. Kardamom ist und bleibt ein einziger Gottesbeweis; ich wuerde die Existenz von Mangos und Passionsfruechten als zusaetzliches Argument gelten lassen.
Ich lebe seit 2 Monaten abstinent. Es gibt Bier, Wein und Spirituosen fuer die Auslaender. Sogar mancher Singhalese trinkt Bier. Alkoholiker bedienen sich des Toddy-Gebraeus, als Destillat Arrack genannt. Toddy wird aus fermentiertem Palmsaft hergestellt. Toddy-Tapper, Palmstafteinsammler, ist ein Beruf, der auf Hochseilen zwischen den Palmen ausgeuebt wird. Ich habe noch keinen gesehen, obwohl ich in der Toddy-Gegend wohne. Wasser bekomme ich von meiner Familie in 1 1/2-Literflaschen zu 25 R.s (25 Cent) das Stueck. Das Leitungswasser wird aus einem Brunnen hochgepumpt. Ich wuerde es nur abgekocht trinken. Wenn ich vom Tempel zu Hause bin, bekomme ich eine Tasse Tee, manchmal mit Keksen. Wenn die Oma ihn bringt, streicht sie mir liebevoll ueber`s Haar.
Ich habe nicht ausprobiert, mit den Haenden zu essen; es kostet mich zu viel Ueberwindung. Ich bekomme ueberall Besteck, meist Loeffel und Gabel. Die Einheimischen mantschen genuesslich Reis und Curry auf ihrem Teller und fuettern auch die Kinder so. Sie benutzen die Finger ihrer rechten Hand. Die ganze Handflaeche zu verkleen (wie schreibt man das?), zeugt nicht von guten Manieren.
Vorbei sind die Zeiten loriot-verdaechtiger Szenen. Ihr kennt alle den Sketch mit dem Mann im Restaurant, der endlich sein Steak oder was immer in Ruhe verzehren will. Nun, genauso fuehlte ich mich, wenn ich in Ratnapura beim Essen sass. 3-4 Verwandte sahen stehend zu und fragten jede Minute, ob es schmeckt: "Rasai?" Ich: "Ou, hare rasai." (yes, very tasty) und schlinge mein Essen runter, um die Situation, unter der ich mich anfangs buchstaeblich wand, schnell zu beenden. Hier in Molligoda leistet mir Jayani, die Mutter, Gesellschaft und erzaehlt von ihren Geschaeften, oder Vidushi (8) isst mit am Tisch und erzaehlt von ihrer bloeden Englischlehrerin, von ihren Noten oder zeigt mir ihren ruehrenden Brief an die geliebte Science-Lehrerin, die die Schule leider verliess.
11.12.05 Nachtrag: Am meinem letzten Arbeitstag im Tempel lud mich der Leiter der Klosterschule zum Mittagessen ein. Er hatte selbst gekocht. Ich war der erste Volunteer, dem diese Ehre zuteil wurde. Es gab 4 verschiedene Gemuesecurries, Fischcurry (von dem ich nicht ass), 2 Salate und diverse Fruechte zum Nachtisch: Papaya, Granatfrucht, Mangos, Ananas. Das Gespraech war interessant. Dhammananda Thero promovierte zum Thema Kant und Buddhismus. Er wuerde sich zu gerne mal Koenigsberg ansehen. Ergebnis dieser ausgiebigen Mahlzeit war der gestrige Tag im Bett; das gesamte Mittagessen hatte schubweise seinen umgekehrten Weg genommen. Na, heute bin ich wieder gesund. Von Bombay Dance oder Delhi Belly also keine Spur. Mir war wohl der Salat zum Verhaengnis geworden. Dabei wusste ich doch: Never eat Rohkost in a country like this.
Tuesday, November 29, 2005
Waschen
ich bewundere die Menschen in Sri Lanka fuer ihre Reinlichkeit. Wie schaffen sie es nur, in diesem Dreck ihre Kleidung sauber zu halten? Die Kids tragen weisse Schuluniformen, die Frauen tragen tadellose Sarees, die Maenner gebuegelte Hemden zu sauberen Hosen oder Sarongs. Am schmutzigsten sind immer noch wir Volunteers; jedenfalls wuerde ich das fuer mich behaupten. Schon nach einem Tag in Colombos Strassen ist ergeben meine Klamotten eine graue Bruehe, wenn ich sie wasche.
Waesche waschen ist eine der Hauptbeschaeftigungen der Muetter. In meiner ersten Familie wusch jeder seine Waesche selbst als Handwaesche. Ich kann das zumindest fuer die Frauen behaupten. Was die Maenner tun, entzieht sichmeiner Beobachtungsmoeglichkeit. Die Waesche wird in der Regel zusammen mit der Koerperpflege erledigt. Die Frauen kommen dann mit ausgewrungener Waesche und einem Handtuch um den Koerper aus dem Bad.
Meine Familie in Molligoda hat eine Waschmaschine, der ich allerdings misstraue. Wie schon bei der Handwaesche, wird auch hier kalt gewaschen, denn warmes Wasser gibt es natuerlich nicht. Taeglich sehe ich die Familienklamotten in grau-schwarzer Bruehe in der nach oben offenen Maschine liegen. Meine Waesche halte ich dieser Maschine lieber fern. Ich bitte um einen Topf voll heissen Wassers und wasche per Hand. Das Wasser wird auf offenem Holzfeuer oder auf dem Gaskocher fuer mich erhitzt.
Das Trocknen der Waesche ist einer besonderen Erwaehnung wert. Alles, was ausserhalb des Hauses eine Flaeche bildet, wird zum Waescheauslegen verwendet: Der Grasstreifen an der Strasse, das Dach, die Buesche im Garten, der Stacheldrahtzaun und manchmal gar eine Waescheleine. Manche Arten, die Waesche zu trocknen, sind mir suspekt; ich vermute, die Waesche ist nach dem Trocknen schmutziger als vor dem Waschen - insbesondere wegen der Kuehe und Abgase. Ich trockne meine Unterwaesche deshalb in meinem Zimmer. Anderes kommt schon mal auf eine Waescheleine - eine bevorzugte Ameisenstrasse. Seit tagsueber die Sonne scheint, bin ich mit den Trockenmethoden laxer geworden, denn die Sonne hier trocknet enorm schnell. Ich aergere mich aber noch immer, wenn die Oma meine Klamotten liebevoll auf den rostigen Stacheldraht in die Sonne umhaengt.
Beide Gastfamilien haben Duschen. Sie werden aber nur von mir benutzt. Neben der Dusche steht ein grosser Plastikbottich, in dem ein kleiner Eimer liegt. Die Einheimischen bevorzuegn die traditionelle Methode des Duschens: Der Eimer wird gefuellt und einige Male wohlig ueber den Kopf gegossen. Soweit die Koerperpfelge aus Mangel an Badezimmern in der Oeffentlichkeit stattfindet, tragen die Maenner einen kurzen Sarong und die Frauen ein Badekeid. Nicht nur fuer Maenneraugen sehen die Frauen mit nassem Badekleid auesserst attraktiv aus. Man seift sich heftig ein und giesst dann Wasser ueber sich oder taucht einige Male in den Fluss ein. Gestern sah ich den Jungen von nebenan eingeseift auf seinem Dach stehen. Dort verbringt er Stunden und ruft nach den Voegeln. Durch Schnalzen und Klatschen versucht er, sie zu irgend etwas mir Unverstaendlichem zu veranlassen.
Arme Leute verwenden das Meer als Toilette (Das erzaehlte mir ein Entwicklungshelfer). Andere gehen vermutlich, wie in Indien, in die Felder. Hier in der Naehe hat man versucht, die Tsunamiopfer an Trockentoiletten der schwedischen Ferienhausmachart zu gewoehnen, denn ihre Haeuser sind an keine Kanalisation angeschlossen. Das ging nicht, weil die Maenner sich weigerten, die Klos zum Ausschuetten zu tragen. Fuer die Frauen sind sie zu schwer. Ich hoere, jetzt sollen kleinere Behaeltnisse gebaut werden, so dass die Frauen sie tragen koennen. Ziel ist es, das Meer reiner zu halten. Die Touris wissen nichts davon.
Meine beiden Gastfamilien haben normale Toiletten und nicht das Loch im Boden, das einige von euch wahrscheinlich aus Frankreich kennen. Die neue Familie stellt sogar Klopapier zur Verfuegung. Trotzdem gehoert zu jeder Toilette eine extra Minidusche, mit der man sich den Hintern waescht. Die Einheimischen trocknen sich danach nicht ab. Das habe ich natuerlich nicht beobachtet, doch diese Frage hat mich beschaeftigt, seit ich vor 20 Jahren in Indien war, und ich fragte eine hiesige Bekannte danach. Wer Salman Rushdies Midnight Children gelesen hat, erinnert sich vielleicht an das Staunen eines der Protagonisten, als seine Mutter ihm erzaehlt, dass sich die Euopaer nicht nach dem Gang auf die Toilette waschen. Er glaubt es ihr nicht, bis er in England eines Besseren belehrt wird. Ich finde die kulturelle Bedingtheit von Sauberkeitsempfinden und Ekel interessant.
So much for today.
Eure Uschi
P.S. Nachtrag zur Fauna: Sah gestern meine erste grosse, lebhaft zuengelnde Schlange. Sie wollte die Strasse ueberqueren, als ich mein ungluecksseliges rosa Kinderrad nach Hause schob.
Sunday, November 27, 2005
Das IT-Centre
heute will ich euch von etwas Positivem berichten. Teaching & Projects Abroad (meine Organisation) hat ganz in der Naehe ein sogenanntes IT-Centre eingerichtet. Es gibt 8 Computer mit den MS Standard-Programmen und Internetzugriff. TP&A beschaeftigt eine einheimische Lehrkraft, die von Volunteers unterstuetzt wird. Zur Zeit ist Max hier, ein Hollaender zwischen Abitur und Uni.
Vormittags koennen Erwachsene, meist um die 20, Kurse belegen. Nachmittags kommen Kids zwischen 10 und 16 Jahren. Die Kurse sind gut aufeinander aufgebaut, recht anspruchsvoll und kostenlos. Die Kinder, die das IT-Centre besuchen, haben sonst keinerlei Moeglichkeit, Computer zu benutzen. Letzte Woche beobachtete ich, wie 8 Kleinies (Gabys Wortschoepfung) in Excel eingefuehrt wurden. Zunaechst benutzten sie es als Zeichenprogramm, das nur farbige Rechtecke malen kann. Dann lernten sie aber auch Spalten auszufuellen und einfache Rechenfunktionen anzuwenden. Ich war ueberrascht. Die Schueler in SL lieben Mathematik. Science wird ganz gross geschrieben. Waere schoen, wenn sie ihr Wissen spaeter in irgendeiner Art Job anwenden koennten.
Axel, der schwedische Entwicklungshelfer, ist der Meinung, SL haette die Industrialisierung verschlafen und sollte das einfach sein lassen. Dem schliesse ich mich gerne an. Auch Informationstechnologie macht niemanden gluecklich. Ich finde trotzdem, dass die Kids durch das IT-Centre ein Stueck nuetzlichen Wissens mitbekommen.
Ich wuerde gerne eine gesonderte Schule nach dem Vorbild des IT-Centres unterstuetzen. Viele Kinder aus der Mittelschicht bekommen nachmittags Nachhilfeunterricht. `Private Tuition` bildet die Hauptverdienstmoeglichkeit der Lehrer. `Meine` Schule waere eine kostenlose nachmittaegliche Privatschule, die sich anderer didaktischer Methoden bedient als die lausigen staatlichen Schulen.
Herzliche Gruesse von Uschi
Sri Lankas Pflanzen und Tiere
nein, es folgt keine Abhandlung ueber Sri Lankas Flora und Fauna. Wie sollte ich - hatte ich doch sogar einmal "die 5" (wie mein Lateinlehrer sich ausdrueckte) in Biologie. Mein Verhaeltnis zu Pflanzen war zu gleichgueltig, das zu Tieren absolut subjektiv. Es fing schon mit dem Betreten des Biologiezimmers an, mit meinem zwanghaften Blick auf die Vogelspinne in Kunstharz gleich rechts neben der Tuer. Ich werde also nicht sachlich berichten koennen, dafuer aber ungeschminkt, d.h. ohne meine Urteile zu zensieren.
Um das Thema Spinnen moeglichst schnell hinter mir zu lassen: Ich sah eine, die meine Horrorschwelle entschieden ueberschritt; eine groessere hatte ich vorher nicht gesehen. Soll ich den Einheimischen glauben, so sind manche Spinnen in SL giftig. Einer anderen Aussage zu Folge wiederum nicht.
Ich komme schnell zu der angeblichen Kroenung der Schoepfung. Menschen gibt es in SL zu viele, finde ich. Das Land ist tatsaechlich dichter besiedelt als Deutschland (SL 280 Personen pro qkm, Deutschland 230 pro qkm). Als ich von Colombo nach Ratnapura fuhr, erschien es mir, als wuerde die Besiedlung nirgendwo wirklich abbrechen; eine Ortschaft ging irgendwie in die naechste ueber. Der Norden, den ich noch nicht gesehen habe, soll weit weniger besiedelt und - hoert, hoert - trockener sein. Wo Siedlungen sind, ist es haesslich: Schabrackige Haeuser, manche nur Betonhuetten mit Wellblechdaechern, andere in nettem Design, aber schmuddelig wenn man naher hinsieht. Muell saeumt so gut wie jede Strasse.
In scharfem Kontrast hierzu die Frauen. Sarees sind und bleiben die erotischsten Kleidungsstuecke. Die Frauen, ob schlank oder fuellig, tragen sie mit Anmut und Wuerde. Ich finde, sie haben attraktivere Maenner verdient. Die jungen Maenner sind schoen, aber albern oder kindlich. Manche widern mich an: "Yess Madam, where you going?" - "Yesss Madam, buy gems." - "Yesss Madam, you want tuk tuk?" Die Fahrer rollen dann neben mir her und wollen nicht glauben, dass ich zu Fuss gehen will. Andere Maenner sind von schmieriger Eleganz, wieder andere serioes, aber ohne Witz. Am schoensten finde ich die Moenche mit ihrem feinen Laecheln und ihren orangenen Roben. Sie sind viel mit dem Wickeln und Arrangieren dieser Roben beschaeftigt, so dass ich nicht selten huebsche Maenneroberkoerper zu sehen bekomme.
Als eintraechtige Nutzniesser menschlicher Wurschtigkeit leben die Kuehe, Hunde und Raben (oder sind es Kraehen?) Sie wuehlen in den Abfallhaufen an den Strassenraendern, beissen die Muelltueten auf und ernaehren sich daraus. Im Karl-May-Alter habe ich mich immer gefragt, was wohl ein raeudiger Hund sein mag; jetzt weiss ich es. Die meisten Hunde erregen leichte Uebelkeit in mir. Sie tun sich ausserdem durch naechtliche Ruehstoerung hervor. 3-4 mal nachts weckt mich das anfallartige Klaeffen, Geifern, Jaulen und Heulen dieser Koeter. Die Katzen dagegen pflegen auch in Sri Lanka ihre manierliche Wuerde.
Was habe ich noch gesehen?
- den einen oder anderen exotisch knallblauen, -gruenen oder -roten Vogel von dem Balkon meines goldenen Kaefigs in Ratnapura
- einige wenige Affen in den Wipfeln der Baeume entlang der Strasse, in der ich jetzt wohne
- Wasserbueffel und langbeinige Voegel (Typ Kranich, Reiher oder Storch) in den Paddyfields (Reisfelder)
- langzehige Voegelchen auf den Blaettern der Wasserrosen
- Streifenhoernchen ueberall
- merkwuerdige Reptilien, 2 davon Goanas (Warane?) und 1 sogenannter Monitor (?), der gefaehrlich sein soll
- Kakerlaken, Muecken, Blutegel, Geckos sowieso
- gelegentlich Elefanten auf der Hauptstrasse
Am Samstag war ich im Zoo von Colombo. Dem zu Folge leben in SL auch Leoparden, Krokodile, Baeren, Schlangen, Wasserschildkroeten etc.
Die Pflanzenwelt ist so ueppig, wie man es in einem heissen, feuchten Land erwarten kann. So ueppig, in fact, dass ich schlichtweg ueberfordert bin, sie zu beschreiben. Angenehme Folgen des Klimas sind Mangos fuer 20 Cent das Stueck (meine Lieblingsfrucht), Ananas (40 Cent), Guavas, Passionsfruechte (eine Delikatesse, finde ich), massenweise Bananen und die gesunde und erfrischende King Coconut, die wir trinken (10-12 Cent das Stueck).
Sobald man den Siedlungsgebieten entflohen ist, sieht man malerische Reisfelder, Dschungel, eintoenige Teeplantagen, duch die bunten (und ausgebeuteten) Pflueckerinnen optisch aufgepeppt. Ausserdem erkenne ich Banyan-Baeume an ihren gigantischen Luftwurzeln, sowie Hibiscus und Lotus. In manchen Tempelhoefen erinnern Bodhi-Baeume an Buddhas Erleuchtung.
Herzliche Gruesse von Uschi
Wednesday, November 23, 2005
Tuk-Tuk-Code bzw. Verkehr
Tuk-Tuks sind die 2-Takt-Dreiradtaxis in Sri Lanka. Die Touristen nennen sie so, die Singhalesen an der Suedkueste inzwischen auch.
Der Verkehr in Sri Lanka ist unbeschreiblich; also lasse ich es sein. Das Abgasproblem ist allgemein bekannt; also auch davon kein Wort (hust, hust).
Aber der Tuk-Tuk-Code schien mir einer Erwaehnung wert. Gemeint ist das Hupen. Allgemein bedeutet Hupen: Ich bin hier. Du siehst mich zwar, hoerst meinen Motor, aber vorsichtshalber mache ich nochmal durch Hupen auf mich aufmerksam. Wer an dir vorbei faehrt, hupt. Ich habe mich noch nicht dran gewoehnt und fluche vor mich hin: Ja, ja, ist ja gut, ich hab Augen und Ohren.
Speziell:
Kurzes Hupen hinter dir: Fahr mehr am Rand, ich will dich ueberholen.
Langes Hupen hinter dir: Ich hab keine Zeit, lass mich gefaelligst vorbei.
Langes Hupen waehrend des Ueberholens: Das reicht nicht, fahr noch weiter am Rand.
Kurzes Hupen nach dem Ueberholmanoever: Danke.
Kurzes Hupen des Ueberholten: Gern geschehen.
Kurzes Hupen bei entgegen kommendem Fahrzeug: Hi, wir kennen uns.
Sehr langes Hupen bei entgegenkommendem Fahrzeug auf der selben Fahrbahn: Wenn dir dein oder mein Leben lieb ist, macht eine Vollbremsung und lass mich weiterfahren.
Synonym zu letzterem: Vergiss es. Ich bin zwar auf deiner Fahrbahn, aber staerker als du.
Ich gehe entweder zu Fuss oder fahre im Tuk-Tuk. Die Tuk-Tuk-Fahrer sind eine Spezies fuer sich, die ich nicht naeher beschreiben will. Ich wuerde dem Autor meines Reisefuehrers aber nicht unbedingt zustimmen, wenn er schreibt: Nach ein paar Tagen hat man einen Hass auf alle Fahrer entwickelt.
Wenn es trocken aussieht, fahre ich mit einem rosa Kinderfahrrad. Wie bin zu so etwas gekommen? Ich fragte Pradeep, einen Hotelmanager, ob ich irgendwo ein Fahrrad mieten kann. Er wollte mir eins umsonst besorgen. Nach 2 Anlaeufen hatte er dann eins parat: Ein riesiges, rostiges, schwarzes Herrenrad ohne Bremsen. Ich machte ihm klar, dass es mir nichts ausmacht, eine Miete zu bezahlen, dass mir aber meine Sicherheit wichtig ist. Und ein Schutzblech waere nett bei meinen weiten Hosen. Er deutete auf ein annehmbares Rad im Hof, Typ Mountainbike. Ich: Ja, das sei in etwa das, was ich mir fuer mich vorstelle koennte. Er wuerde mir auch solch ein Rad kostenfrei besorgen koennen. Weitere 2 vergebliche Besuche in seinem Hotel. Dann war es so weit: Vor mir stand ein halb zusammengebautes nagelneues rosa Kinderrad, chinesisches Fabrikat. Pradeep strahlte stolz. Wenn ich es nicht mehr brauche, wird er es seiner 10-jaehrigen Tochter schenken. Sollte ich nun wieder sagen: Ich wuerde lieber zahlen, aber fuer etwas Brauchbares? Ich liess es dabei und fahre nun mit dem Teil. Waehrend der 3. Fahrt brach die Schraube an einer der Pedale. Ich spuere einen Anflug einer Entzuendung in meinem rechten Knie, weil ich die Beine beim Fahren nicht durchstrecken kann; ich trete mit angewinkelten Knien. (Heute abend will ich mal sehen, ob meine Familie Werkzeug hat, um den Sattel doch noch ein Stueck hoeher zu schrauben.) Bei jedem kleinen Aufwaertsverlauf der Strasse, schiebe ich das Rad aus Sorge, dass wieder eine Schraube in die Brueche geht.
Das rosa Rad ist vielleicht ein ganz anschauliches Beispiel fuer das, was ich in einem anderen Tagebucheintrag meinte: Viel Hilfsbereitschaft, die aber nur zu Irritationen fuehrt und das Problem nicht loest. Wenn ich meine Anliegen lieber selber in Angriff nehme, weil ich Kontrolle ueber ihre Loesung behalten will, fragt mein Gegenueber entgeistert "Why?" und ist mitunter beleidigt. Ich fege mein Zimmer: "Why?" Ich mache das Bad sauber: "Why?" Ich wasche meine Waesche per Hand und mit warmem Wasser: "Why?"
Ich schweife ab.
Alles Liebe von Uschi
Monday, November 21, 2005
Die Luxusblase
wie gesagt, habe ich die Woche der Praesidentenwahl in einem 5-Sterne-Hotel verbracht. 5 Tage mit trockenen Handtuechern, warmer Dusche, trockenem Besteck, trockenen Tellern, frischer Bettwaesche, deutsch- und englischsprachigen Fernsehkanaelen, geniessbaren Brotsorten zum Fruehstueck, grossem Buffet und herrlichen Desserts zum Abendessen. Oh, es kommt noch besser: Einmal konnte ich gar Tennis spielen, und als ich den Fernseher einschaltete, wurde gerade das Masters Tennisturnier aus Shanghai uebertragen, und RogerFederer spielte - ein einziges Entzuecken; ich bekenne ehrlich mein Laster. Es gab einen aesthetisch geformten grossen Swimmingpool, Liegen im Garten und den Blick auf den vom Tsunami betraechtlich verkleinerten Strand.
Den Touristen im Royal Palms gebe ich keine 5 Sterne. Sie leben in einer Luxusblase. Die meisten wollen nichts wissen von diesem Land, das sich noch immer von einer Phase der Metzelei und des Verschwindenlassens von Oppositionellen jeder Couleur erholt. Am ersten Abend setzte ich mich zu einer einzelnen Frau aus Stuttgart an den Tisch, weil ich nicht gerne alleine esse und annahm, es ginge ihr genauso. Weit gefehlt: Sie war muffelig, wollte nicht ueber Sri Lanka sprechen und beendete ihr Essen schnell. Es gab eine Gruppe dieser reichen Russen, die sich gerne besoffen, wie mir eine junge Russin erzaehlte, die sich nicht wohl in der Gesellschaft ihrer Landsleute fuehlte. Hihi, die Regierung hatte fuer die Wahlwoche ein striktes Alkoholverbot erlassen - auch fuer die Hotels. Als wuerden die Touristen in den Strassen fuer Aufruhr sorgen. Ich war froh darueber, weil mir die besoffenen Russen erspart blieben. Im ebenfalls vornehmen Nachbarhotel hatten Touris "Fuck the politicians" auf das Plakat mit dem Alkoholverbot gekritzelt. Viele Hotelgaeste kommen aus Deutschland und den Niederlanden. Sie sind blond, fett, taetowiert und tragen Goldkettchen an den Fuessen. Ein schwedischer Entwicklungshelfer, den ich zum Abendessen eingeladen hatte (Er wohnt sonst in einer Familie wie ich), erzaehlte, dass die Singhalesen diese Europaeer schaetzen; die Fettleibigkeit ist ein Zeichen von Wohlstand, vor dem sie Respekt haben. Es ist der uebliche Rassismus, den ich schon vor 20 Jahren in Indien beobachtet hatte: Bist du duenn und schwarz, hast du nicht viel zu melden. Siehe auch die Ehepartnergesuche in den Zeitungen.
Ich lernte auch ein wirklich feines Ehepaar aus den Niederlanden kennen. Sie kommen seit 8 Jahren hierher und lieben dieses Land. Sie bringen Geld und Geschenke fuer Krankenhaeuser. Mit Geschenken fuer Einzelpersonen, die ihnen ihr Leid klagten, haben sie keine guten Erfahrungen gemacht; sie wurden schlicht weg belogen. Ich hoerte etliche aehnliche Geschichten ueber die Tsunamimasche und werde immer vorsichtiger mit Geschenken und letztendlich auch Hilfestellungen. Ein Mann auf der Strasse vor dem Hotel ueberschlugf sich mit Lob ueber mein edles Vorhaben, die Kids kostenlos zu unterrichten. Am Ende wollte er, dass ich ihm eine Webseite mache, auf der er einen Investor (10.000 $) fuer eine Edelsteinschleiferei sucht. Es ist okay - aber irgendwie ist bei nahezu jedem freundschaftlichen Kontakt ein Haken dabei.
Man liegt also am Pool. Sobald man das bewachte Hotelgelaende verlaesst, um den Strand entlang zu laufen, wird man von Singhalesen angesprochen, die den ganzen Tag am Zaun verbringen, den sie nicht uebertreten duerfen. Sie wollen Tuecher verkaufen, dich zu einem lokalen Restauruant abschleppen oder eine Damenbekanntschaft machen (sogenannte Beachboys). Ein Singhalese, der Edelsteinverkaeufer, bruestete sich damit, dass er froh ist ueber den Tsunami. Vor dem Tsunami gab es mehr Schlepper und Betrueger. Nach seiner Version schlossen sie Freundschaft mit den Touris ("Singhalese people friendly people."), streiften ihnen zum Abschied die Goldringe von den Fingern und rannten weg. Ich hoere viele solcher Geschichten von allen moeglichen Leuten, hauptsaechlich Singhalesen. Ich weiss nie, ob ich das glauben soll oder ob diese Leute sich irgendwie wichtig machen wollen, sich positiv von ihren unehrlichen Landsleuten abheben wollen. Mein Alltag ist jedenfalls gepraegt von Geruechten ueber Betrug und verschwundenen Tsunamigeldern.
Von Axel, dem schwedischen Entwicklungshelfer, erfuhr ich viel ueber Sri Lanka. Ich traue seinen Geschichten; er kennt das Land seit vielen Jahren, kennt die Korruption, die Geruechtekueche und die Tricks. Er erzaehlt von den vielen Helfern, die betrogen und enttaeuscht das Land verliessen, von den grossartigen Gesten der Politiker, die ein wenig fremdes Geld verteilen und sich anhimmeln und waehlen lassen, die die Clacqeure auf den Wahlveranstalungen bezahlen (aus Tsunamigeldern?); er erzaehlt von den Priestern und Moenchen, die Spenden ueber Spenden bekommen, aber nichts tun fuer die Bevoelkerung, mit teuren Handys herumspielen (habe ich selbst beobachtet) und deren Politiker angeblich in gepanzerten Luxuslimousinen durch die Gegend fahren.
An einem Tag begleitete ich einen jungen Englaender in ein Tsunamicamp, um die Kids zu unterrichten. Sie waren bereits zum Betteln `erzogen`. Ich wollte Englisch unterrichten, sie wollten ice cream, Buntstifte, Baseballkappen. Als ich ihnen sagte, dass ich das nicht gut finde, entschuldigten sie sich. Ich meine mich zu erinnern, dass Deutschland 5 Milliarden EURO fuer die Tsunamiopfer zur Verfuegung gestellt hat. Axel weiss, dass von 80.000 notwendigen neuen Unterkuenften bisher 1.000 gebaut wurden. Ein Holzschnitzer am Strand erzaehlt mir, dass er 2.500 Rupees (25 EURO) fuer neue Kochutensilien erhielt und einmalige 5.000 Rupees darueber hinaus. Axel weiss, dass ihnen 5.000 Rupees pro Monat versprochen worden waren.
Axel wollte mich dazu ueberreden, das Abendessen in einem einheimischen Restaurant zu kaufen. Diese Nobelhotels gehoeren alle irgendwelchen Europaeern. Das Geld der Touristen fliesst in ihre Laender zurueck. Am Ende meines Hotelaufenthalts konnte ich ausrechnen, dass ich 160 $ pro Tag fuer Uebernachtung und Halbpension ausgegeben hatte; das ist _pro Tag_ das 2 bis 4-fache eines hiesigen Monatsgehalts, je nachdem ob du Verkaeuferin oder Lehrerin bist.
Diese ganzen Erlebniss lassen mich jedenfalls mit dem Gefuehl zurueck, nicht mehr zu wissen, was richtig ist - und das ist vermutlich richtig.
Herzliche Gruesse von Uschi
Wetter
wenn es nicht regnet, giesst es. Ich weiss nicht wer die Luege ueber die heftigen aber kurzen Regenguesse in den Tropen in die Welt gesetzt hat. Heftig stimmt, aber kurz? In den Nachrichten kommen Meldungen vom allgemeinen Klimawechsel. Na toll - kenne ich das nicht schon von den Cook Inseln? Ich nehme mit wachsendem Zynismus die unterschiedlichen Theorien ueber Regen- und Trockenzeit auf. Die Oma sagt, November und Dezember sind kuehl und gehoeren zur Trockenzeit. Der Sohn meiner ersten Familie sagt, es gibt keine Trockenzeit. Der Lehrer, der mir im Tempel assistiert (grosse Hilfe!), sagt, November und Dezember sind Regenzeit. Die Niederlaender im Hotel sagen, die letzten 4 Jahre war der November wunderbar sonnig.
Jedenfalls regnet es seit 7 Wochen. Dazwischen 4 Sonnentage - zum Glueck gerade als ich in meinem Luxushotel war und am Pool liegen konnte (vgl. gesonderter Blogeintrag). Und 2 weitere Sonnentage, gerade die 2 Male, als ich nach Kandy fuhr.
So was kann man natuerlich Glueck im Unglueck nennen, und bisher dachte ich, was soll`s, ich bin ja eh in der Schule, der Regen kann mir egal sein. Heute ging es mir aber entschieden zu weit: Es goss die gesamte Nacht und auch jetzt um 10.30 regnet es noch. Und - surprise, surprise! - die Schueler nehmen dies zum Anlass, nicht in der Schule zu erscheinen. Ich habe also WIEDER einen Tag frei. Das bedeutet Zeit tot schlagen wie schon auf den Cook Inseln, nachdem ich eh schon eine Woche unfreiwillig Urlaub wegen der Wahl nehmen musste. Damit hatte ich in Sri Lanka nicht gerechnet. Ausser lesen und e-mails schreiben gibt es absolut nichts zu tun. Deshalb muest ihr jetzt mein Jammern ueber das Wetter lesen. A propos lesen: Wer schon lange keine Depresion mehr hatte, sollte Ondaatjes "Anils Geist" lesen. Man erfaehrt auch einiges ueber Sri Lanka...
Zum zweiten Mal in diesem Jahr lerne ich Wertschaetzung fuer die Hektik in meinem Arbeitsleben zu Hause. Das sollte wohl so sein.
Viele Gruesse aus den Fluten Sri Lankas
Monday, November 14, 2005
Abschiedszeremonie
wenn ich mich auch in meiner alten Gatsgeberfamilie gar nicht wohl fuehlte, so denke ich doch gerne an die erste Schule zurueck, besonders an meinen Chef Sumana Jothi Thero. Als ich ihm klar machte, dass ich seine Schule schon nach 1 Monat verlassen will, war er traurig und sagte dann: Ja, dann muessen wir eine Farewell-Party veranstalten.
Um 10.30 Uhr an meinem letzten Tag wurden also alle Tische beiseite gerueckt und fuer die Schueler Stuehle in der Mitte des Schulraums aufgestellt - links die Moenchlein, rechts die "normalen" Schueler. Oben auf dem Podest sassen die Lehrer, Moenche und "normale" Lehrer, und ich in einer Reihe.
Ich wusste natuerlich nicht, was mich erwartet. Ich hatte kleine Bilder fuer jeden Schueler gemalt (Blumen, Sonne/Mond/Sterne, Drachen, Baum, Segelboot) mit einem Abschiedsgruss. Ausserdem hatte ich mir ein Lied zum vorsingen ausgesucht (Dear friends, dear friends - fuer die, die es kennen).
Am Anfang hielt der mein Chef, der Headmaster, eine wertschaetzende Rede. Dann wurden verschiedene Schueler aufgefordert, einen Beitrag zu leisten. Einer sang ein Lied. Ein anderer hatte einen Dankeschoen-Text auf Englisch vorbereitet, ein anderer auf Singhalesisch. Ein Lehrer verlas einen Dankeschoen-Text auf Englisch. Ich bekam ein Geschenk von den Schuelern, eins von den Lehrern und eins von Sumana Jothi Thero. Ich muss gestehen, dass ich nur eins davon behielt - einen golden bemalten Buddha. Die anderen beiden Geschenke waren allzu kitschig, und ich hatte keinen Platz mehr in meinem Rucksack fuer sperrige Stellgegenstaende. Am Tag zuvor hatte ich waehrend der Pause Gespraechsfetzen meiner Kollegen aufgeschnappt. Dabei verstand ich, dass man plante, mir einen dieser schrecklichen Blinkbuddhas zu besorgen. Ich hoerte naemlich das Wort "battery". Ich schaltete mich sofort ein und bat instaendig um ein schlichteres Modell. Wie das Amen in der Kirche kommt dann immer die Frage "why?". Tja, dann bin ich oft um eine Antwort verlegen, weil ich doch hoeflich bleiben will. Ich sagte: "I like simple things."
Nahezu jeder Schueler unter den Moenchen wollte meine Adresse auf dem Grusskaertchen haben. Manche wollten meine Handynummer. Zweimal bekam ich einen Testanruf auf meinem Handy von einem der aelteren Schueler, Somanesiri Thero. Da sie eigentlich kein Englisch koennen, sah ich wenig Sinn darin. Ich weiss allerdings nicht, was es ihnen bedeutet.
Was mich beruehrte an der Abschiedszeremonie war folgender Brauch: Ganz zum Schluss wurde ein weisser Faden zwischen den Moenchen und mir gespannt. Ich bekam die Spindel in die Hand, auf der der Faden aufgewickelt war. Dann sangen die Moenche in Pali. Der oberste Moench und Priester des Tempels schnitt ein Stueck Faden ab und band es um mein rechtes Handgelenk. Die Vibrations von dem Gesang gehen in den Faden ueber und wirken auf mich - so der Glaube, den jemand anderes spaeter erklaerte. Viele Singhalesen behalten den Faden um ihr Handgelenk, bis sie sich den naechsten Segen holen. Auch ich habe ihn so lange behalten, bis er denn doch etwas grau wurde. Es blieb noch einige Tage ein Phantomgefuehl des Fadens zurueck.
Ich vermisse die stille Praesenz von Sumana Jothi Thero und bedaure, dass ich nicht zu seinem Geburtstag am 28.12. fahren werde. Morgen schreibe ich ihm einen Brief mit dieser Mitteilung. Birte bringt aus Deutschland eine Landkarte als Geschenk fuer ihn mit. Er war ganz begeistert, als ich ihm mein Exemplar zeigte, weil die Karte die bedeutenderen Kloester Sri Lankas verzeichnet.
Herzlichst von Uschi
Sunday, November 13, 2005
Meine neue Gastgeberfamilie
das Gute an einem Wechsel der Gastgeberfamilie ist der Gewinn an neuen Eindruecken. Wie gesagt, wohne ich jetzt in einem Dorf an der Suedkueste. Es ist nicht vom Tsunami betroffen, da 5 km entfernt vom Wasser.
Die Familie besteht aus Oma, Eltern und zwei Maedchen, 5 und 9. Ausserdem wohnte bis heute noch ein britischer Volonteer hier, Trevor, 66. Oma, Vater (Chandana) und die Maedchen sind spindelduerr, haben abstehende Ohren und wunderbare grosse Augen. Amme (Mutter) ist etwas molliger und hat die Hosen an. Die Familie wuerde wohl als Mittelklassefamilie zaehlen.
Die Oma erledigt Dinge im Haushalt, passt mal auf die Kinder auf, macht uns mal Tee. Jeden Abend sitzt sie dicht vor der Wand in einer Nische unter der Treppe und absolviert ihre Gebete. Vorher zuendet sie Raeucherstaebchen an. Man weiss, wann sie im Hause ist, weil sie Selbstgespraeche fuehrt. Sie ist eine ganz Liebe.
Chandana ist wohl der liebevollste Vater, den ich bisher gesehen habe. Er arbeitet in Colombo im Sri Lankan Electricity Board. Jeden morgen um 7 verlaesst er das Haus auf seinem klapprigen Fahrrad, faehrt zur Bushaltestelle und mit dem Bus (0der Bahn?) die 40 km nach Colombo. Ausserdem erledigt er die Waesche, das Buegeln und allerhand anderes im Haus.
Jayana, die Mutter, versucht sich als Businessfrau: Sie beliefert die Hotels im Umkreis von 30 km mit Klopapier, Papierservietten, Zahnstochern, Desinfektionsmitteln, Wasserflaschen, Schwaemmen, Putztuechern. Deshalb ist unser Haus voll davon. Da sie keinen Lieferwagen hat, muss sie anlaesslich jeder Lieferung das Dreiradauto bezahlen und streng kalkulieren. Ihr Traum zur Zeit ist ein eigener Lieferwagen fuer etwa 9.000 EURO neu. Sie will einen Kredit bei der Bank aufnehmen und das Teil 2 Jahre lang leasen und dann abbezahlt haben. Ihr Bruder wuerde es fahren und zur besseren Ausnutzung der Investition einen Schulbring und -abholdienst aufziehen. Ausserdem macht sie Dinge im Haushalt und ist zusammen mit den anderen Erwachsenen fuer uns Gaeste zustaendig - vor allem kochen und beraten. Sie bekommt von unserer Organisation 8.500 Rupees pro Person und Monat; das sind zwei zusaetzliche ordentliche Monatsgehaelter nach hiesigem Standard.
Das wichtigste Anliegen der Familie ist es, die beiden Toechter Vadushi und Tharushi in eine internationale Privatschule im Nachbarort schicken zu koennen. Die Schule kostet 10.000 Rupees pro Kind und Monat, also ca. 100 EURO. Zusaetzlich faellt Geld fuer den Minibus an, der die Kinder faehrt. Dieser Aufwand lohnt, wenn dir die Chancen deiner Tochter etwas wert sind. Diese Privatschule ist ungleich besser als die Schule fuer meist arme Kinder, in der ich unterrichte. Ich sehe es an den Heften und Aufgaben, die die Kids bekommen. Vom ersten Schuljahr an, d.h. im Alter von 5, werden alle Faecher auf Englisch unterrichtet - ausser Sinhala natuerlich. Die 9-jaehrige Tochter spricht viel besser Englisch als der 20-jaehrige Sohn in meiner ersten, sehr reichen Familie, der erst spaet einen teuren Englischkurs auf einer Privatschule in Kandy besucht hat. Vadushi will Aerztin werden und ist ehrgeizig. Gleich am ersten Tag zeigte sie mir ihre Zertifikate fuer besonders gute Leistungen und 100-prozentige Anwesenheit. Sie schlaegt mich in Schach - was zwar einfach ist, aber immerhin - ein 9-jaehriges Kind! An einem der langen Wochenenden fuhr sie taeglich nach Colombo, um an einem Schachtournier fuer Kinder teilzunehmen. Sie verlohr, freute sich aber ueber die neuen Tricks, die sie dort lernte. Gegen die 14-jaehrige Tochter in meiner alten Gastfamilie gewann ich. Mich faszinieren diese Unterschiede. So viel spricht fuer fruehes Lernen. Die Kids haben Faecher wie Science, Human Values (finde ich klasse), Buddhismus und andere Religionen, Mathe, Englisch, Tanzen, Werken.
Die Familie steht gegen 5 Uhr auf. Die Maedchen verlassen um 6.30 das Haus, der Vater bald danach. Die Mutter beginnt dann ihre Geschaeftstelephonate und Auslieferungen. Gegen 15 Uhr kommen die Maedchen nach Hause. Die Familie geht gegen 10 Uhr schlafen, manchmal spaeter. Alle scheinen in einem Zimmer zu schlafen, waehrend Trevor und ich je ein Zimmer fuer uns haben. Wir schlafen im Obergeschoss. Unsere Zimmerdecke sind die nackten Dachziegel, durch die schon mal ein Regentropfen kommt, Vogelscheisse und das eine oder andere Blatt. Das haelt sich aber in Grenzen. Wir haben unser Badezimmer unten. Es hat ein echtes Klo und sogar Klopapier. Die Dusche ist wie immer offen im Raum. Ausserem steht im Bad eine Waschmaschine, derer ich mich wohlweisslich wenig bediene. Wo sich die Familie waescht, weiss ich noch nicht. Es gibt eine Kueche mit Gaskocher und offenem Feuer. Wenn ich Waesche wasche, bitte ich darum, einen Topf Wasser fuer mich zu kochen. Das benutze ich fuer Handwaesche, die einigermassen hygienisch sauber sein sollte. Ich mag es nicht, wenn Chandana oder Jayana meine Waesche in die Finger kriegen. Sie landet dann zwischenzeitlich auf dem immer nassen, dreckigen Fussboden, wird natuerlich nur kalt gewaschen und dann ueber Buesche, rostige Stacheldraehte mit Ameisenstrassen und dergleichen gehaengt.
Wenn ich keine Schule habe, sitze ich mit den Maedchen, die ich sehr mag, unten und male etwas mit ihnen, sehe ihr Schulhefte an oder spiele mit der Kleinen Flugzeug. Oft sitze ich in meinem Zimmer und lese oder bereite Unterricht vor.
So viel fuer heute.
Herzliche Gruesse von Uschi
Saturday, November 12, 2005
Holidays
jedes besondere Ereignis ist ein Anlass, in ganz Sri Lanka public holidays auszurufen und der Arbeit fern zu bleiben: Wochenende, Vollmond, Ramadan, Weihnachten und nun die Wahlen. Der Wahltermin liegt natuerlich nicht am Wochenende, sondern auf einem Donnerstag. Um diesen Wahltermin herum wird jeweils 1 Tag frei gegeben; macht Mittwoch bis Freitag. Am Dienstag ist Vollmond; macht Dienstag bis Freitag. Inzwischen sickert auch bis zu meiner Schule durch, dass auch gleich der Montag ein public holiday ist - vermutlich, um die Sache irgendwie rund zu machen.
Ich habe also von Samstag bis Montag der uebernaechsten Woche frei. Es gab schon einige lange Wochenenden. Aber diese Wahl schlaegt dem Fass den Boden aus. Das Hauptproblem fuer uns Volonteers ist es, dann irgendwie die Zeit totzuschlagen. Wir wurden gebeten zu Hause zu bleiben oder irgendwo in einem sicheren Hotel. Im Lande herum reisen, wa sich ja angeboten haette, sollen wir aus Sicherheitsgruenden nicht. Manche jetsetten nach Thailand - nicht gerade mein Ding. Ich habe also 5 Tage in einem der ganz teuren 5-Sterne-Hotels gebucht. Ich erhoffe mir davon 5 Tage in trockenen Klamotten und mit ordentlichem Fruehstueck. Auch der Pool ist huebsch. Aber: Das ist weiss Gott nicht wofuer ich hierher gekommen bin; wenn ich eines meiden wollte, dann die Hotels an der Suedkueste.
Das Perfide an diesen besonderen public holidays ist die Angst vor Gewaltausbruechen. In dem Fall wird eine Ausgehsperre ausgerufen werden. Die meisten glauben nicht, dass so etwas geschehen wird. Da vermutlich die Partei mit dem groessten Unzufriedenheitspotential gewinnen wird - es ist eine Koalition der alt eingesessenen Freedom Party, der Moenchpartei und der Ex-Marxisten), glaube auch ich nicht an Gewalt nach diesen Wahlen. Falls es aber Troublemaker gibt, finden sie es mit Sicherheit ganz fabelhaft, dass sie eine ganze Woche Zeit bekommen, sich zu organisieren und Unheil zu stiften.
So viel fuer heute. Herzliche Gruesse von Uschi
Wednesday, November 09, 2005
Eine Hochzeit in Sri Lanka
das wichtigste Ereignis im Leben einer Singhalesin/eines Singhalesen ist die Hochzeit. Wenn ihr jemanden zu Hause besucht, seid gewiss, dass ihr hunderte kitschige Hochzeitsfotos ansehen muesst oder, wenn die Familie wohlhabend ist, stundenlange Hochzeitsvideos. Sie zeigen steife, gestellte Gruppenfotos bei Begruessungen und Abschieden.
Eine Heirat kommt in der Regel durch Vermittlung der Eltern oder eines aelteren Bruders zustande. Die Zeitungen sind voll entsprechenden Anzeigen. Folgende Features preisen die zukuenftige Braut, den zukuenftigen Braeutigam auf dem Heiratsmarkt an: Alter, Koerpergroesse, Einkommen, Mitgift, Bildung (z.B. spricht Englisch ist ein Pluspunkt), berufliche Position, Mitgift (z.B. hat ein Haus in Colombo oder bekommt 1 Millionen Rupees), bei Frauen der Helligkeitsgrad der Hautfarbe, manchmal die Kaste und sonstige Herkunftmerkmale wie z.B. Kandyan Business Family. Fast immer wird eine Antwort mit Horoskop erbeten.
Die Hochzeit, auf der ich als Gast geladen war, war eine sogenannte Love Marriage, also keine arrangierte Hochzeit. Was ganz und gar ungewoehnlich ist: Der Braeutigam uebernachtete schon vor der Hochzeit im Schlafzimmer der Braut. Beide Familien verdanken ihren Reichtum dem Gem Business. Die Familie der Braut ist steinreich.
Bereits 1 Woche vor dem durch den Astrologen festgesetzten Termin wird es hektisch. Tanten, Onkel und weitere Verwandte frequentieren das Haus der Braut aus fuer mich undurchsichtigen Gruenden. Freunde bauen ein Podest fuer das Brautpaar bis tief in die Nacht (vornehmlich vor meinem Schlafzimmer :-( ) - ansonsten ein netter Brauch. Der Sportlehrer der juengeren Tochter macht Blumengestecke, die Bediensteten lackieren die Steine im Garten und manikueren das Gras um jede Seinplatte herum. Der Hausherr reinigt seine diversen Aquarien mit den Riesenfischen. Die juengere Schwester und ihre Freundin putzten das obere Stockwerk (leider nicht das Bad). Der Sohn eines Bediensteten reinigt die Kueche. Es werden haufenweise Sarees gekauft und die hochhackigen durchsichtigen Silberslipper aus dem Schrank geholt und auf dem Balkon aufgereiht. Lastwagen kommen, um fuer 500 Gaeste Stuehle abzuladen, Steoreoanlagen, Keyboards, Mikrophone. Der Gast (ich!) wird von jeder Tante und Cousine gefragt, er in einer Saree erscheinen wird ("You don"t like Saree?!")
Die Hochzeit findet wie bei uns im Haus der Braut statt. Die Braut und die Brautjungfern werden nach allen Regeln der Kunst zu hinreissendem Liebreiz ausstaffiert und geschmueckt. Sie laecheln und kiechern, dass es jedem Bollywood-Film zur Ehre gereichen wuerde. Damit sie sich nicht bekleckern, werden sie von nun an von ihrer weiblichen Entourage gefuettert. Vielleicht hat das Fuettern auch einen anderen Grund - ich weiss es nicht. Auftritt der ersten Fotographen und professionellen Videohersteller.
Wenn die Braut soweit hergerichtet ist, faehrt der Braeutigam mit seiner Familie vor. Einzug seiner Familie in das Haus der Braut. Er verbeugt sich zu Fuessen der Brauteltern und des aelteren Bruders der Braut, waehrend ein paar Maedchen ein Hochzeitslied singen. Die eigentliche Zeremonie wird von einem Zeremonienmeister durchgefuehrt, der fortwaehrend auf seine Armbanduhr schaut, um jeden Schritt peinlich genau einzuhalten. Das Paar tritt auf das besagte Podest, Gesang in Pali, Gebete, Ringtausch, der Braeutigam legt eine Goldkette um den Hals der Braut, Wasser wird aus einem Kaennchen in eine Schale gegossen, aus dem beide trinken, beider Finger werden mit einem Faden ausammengebunden, ein Oellaempchen wird angezuendet und dergleichen mehr. Die Fotographen sind, wie ihr euch inzwischen gedacht habt, allgegenwaertig.
Der Rest des Tages - das Ganze dauert von 10 bis 17 Uhr - wird mit Essen, steifem Herumsizten und Posieren fuer Fotos verbracht. Bezeichnenderweise werden in Sri Lanka Stuehle fuer Gaeste neben einander gestellt; Gespraeche scheinen nicht vorgesehen.
Nachmittags steht das Brautpaar wieder auf seinem Podest und nimmt Geschenke entgegen. Geschenke werden kommentarlos genommen und beiseite gelegt. Zum Schluss zieht das Paar aus dem Haus der Brauteltern aus. Dies ist ein verstaendlicher Anlass fuer die Braut, bitterlich zu weinen, denn sie hat ihr Leben im Elternhaus verbracht und wird von nun an ein Zimmer im Haus der Schwiegereltern beziehen. Die meisten Geschenke sind deshalb wohl Gegenstaende fuer das neue Zuhause (z.B. Lampenschirme oder elektrische Geraete). Das Paar verlaesst das Anwesen in einem standesgemaessen Wagen japanischer Machart und wird das Wochenende in Kandy verbringen. Ein paar Freunde und Geschwister werden am naechsten Tag nachreisen.
Der Gast (immer noch ich) atmet erleichtert auf. Jedoch zu frueh! Zu jeder Hochzeit gehoert das sogenannte Homecoming nach den Flittertagen. Gleich morgens um 4.30 stehen drei Familienmitglieder in meinem Schlafzimmer und wollen Dinge aus dem Schrank holen. Wieder kommen Hunderte von Gaesten zusammen - diesmal auf Einladung der Eltern des Braeutigams und in einem Hotel. Wieder sitzt man steif herum. Die Braut traegt nun ihre dritte Saree - die Homecoming-Saree. Die ersten zwei waren fuer die Hochzeit und die Flittertage. Wieder werden jede Menge Fotographen beschaeftigt. Das Paar hat die Aufgabe zu posieren, zu laecheln und herumzusitzen. Zwischendurch zuendet es eine Kokosnussoellampe an.
Wir duerfen uns am Buffet bedienen. Die jungen Maenner duerfen tanzen, wahrend die Maedchen den Aufforderungen der Maenner kiechernd widerstehen muessen. Da Ganze dauert ca. 4 Stunden. Ich bin geschafft von dem untaetien Herumsitzen. Ich denke, nun darf ich nach Hause, aber nein: Alle fahren zum Haus des Braeutigams, ein Lieferwagen voll Mitgift (Schachteln, Reissaecke, Gewuerze) wird ausgeladen, Getraenke, Kekse und Bananen werden gereicht, man sitzt herum. Endlich hat ein Kollege am spaeten Nachmittag ein Nachsehen mit mir und faehrt mich mit seiner Familie nach Hause.
Wird es jetzt ruhiger im Haus? Weit gefehlt. Schon nach wenigen Tagen wohnt das Paar inkl. Entourage wechselweise im Haus des Braeutigams und der Braut. Da das Haus der Brauteltern viel groesser und schoener ist ...
Herzlichst eure Uschi
Thursday, November 03, 2005
Kommentar zu Kommentaren
habe gerade versucht, eure Kommentare zu kommentieren, was mir offenbar nicht gelang. Vielleicht ist so etwas in Blogs nicht vorgesehen? Hier sind also meine Kommentare zu Ulrikes und Inas Sendungen:
Hi liebe Ulrike und liebe Ina,
komme erst jetzt dazu, auf eure Kommentare zu reagieren. Eine wesentliche Verbesserung der Technik in der Schule, wo ich erst war, waere es gewesen, wenn man das Geschriebene an der Tafel haette lesen koennen. Ich wollte fuer die Schule ein paar neue kaufen, aber es gibt keine zu kaufen; man muss die schreinern lassen. Es sind dann schwarz lackierte Bretter - was kein echter Fortschritt gewesen waere. Wie du siehst, improvisiere ich auch hier.
Jetzt bin ich in einer anderen Schule, die immerhin 2 Englischlehrer hat, die des Englischen maechtig sind. Ich kann z.B. jemanden bitten, den Schuelern zu sagen, dass sie auf meine Fragen antworten sollen, anstatt sie zu wiederholen.
Auch hier sind die Schueler allerliebst. Sie koennen gar nicht genug davon kriegen, bye bye zu rufen, mir ihr Geschriebenes zu zeigen, Haekchen hinter den korrekten Saetzen zu bekommen etc. Einige Moenche bestanden auf Sternchen hinter ihren Saetzen. Ich lasse sie etwas abschreiben, wenn sie aufhoeren sich zu konzentrieren; beim abschreiben sind sie ganz eifrig, weil es der uebliche Lehrstil ist. Das finden alle dann ganz toll. Wenn ich mich langweile, singe ich mit den Schuelern.
Ich gewoehne mich allerdings schwer daran, dass sie zum Abschied meine Fuesse beruehren. Erst dachte ich, sie suchen etwas auf dem Fussboden und wollte suchen helfen. Such much for meine Kompetenz in Interkultureller Kommunikation. Bin gespannt auf Frau Oktars Diplomarbeit.
Hi liebe Ina,
in der Klosterschule gab es keine Maedchen - undenkbar, Maedchen und Moenchlein in einem Klassenraum. Hier in meiner zweiten Schule sind Maedchen und Jungen zusammen. Die Maedchen sind durch die Bamk weg besser. Waehrend einige Jungen auch in der 9. Klasse noch nicht lateinische Buchstaben schreiben koennen, schreiben einige Maedels kleine Texte ueber ihre Familie, ohne viele Fehler zu machen.
Manche Schueler in der 2. und 3. Klasse haben keinen Stift und kein Papier zum Schreiben. Ihre Familien sind arm oder nur halb vorhanden. Manche arbeiten vielleicht im nahen Osten oder trinken, so dass die Kids bei den Grosseltern wohnen. Ich kaufe Stifte, Hefte und Spitzer fuer sie. Letzteres, nachdem ich sah, wie sie ihre Stifte mit Rasierklingen spitzten.
Alles Liebe von Uschi
P.S. Sagt Bescheid, falls ihr wisst, wie man Kommentare kommentiert, bzw. sie wieder findet, wenn man es getan hat.