Wednesday, November 23, 2005

 

Tuk-Tuk-Code bzw. Verkehr

Ihr Lieben,

Tuk-Tuks sind die 2-Takt-Dreiradtaxis in Sri Lanka. Die Touristen nennen sie so, die Singhalesen an der Suedkueste inzwischen auch.

Der Verkehr in Sri Lanka ist unbeschreiblich; also lasse ich es sein. Das Abgasproblem ist allgemein bekannt; also auch davon kein Wort (hust, hust).

Aber der Tuk-Tuk-Code schien mir einer Erwaehnung wert. Gemeint ist das Hupen. Allgemein bedeutet Hupen: Ich bin hier. Du siehst mich zwar, hoerst meinen Motor, aber vorsichtshalber mache ich nochmal durch Hupen auf mich aufmerksam. Wer an dir vorbei faehrt, hupt. Ich habe mich noch nicht dran gewoehnt und fluche vor mich hin: Ja, ja, ist ja gut, ich hab Augen und Ohren.

Speziell:

Kurzes Hupen hinter dir: Fahr mehr am Rand, ich will dich ueberholen.
Langes Hupen hinter dir: Ich hab keine Zeit, lass mich gefaelligst vorbei.
Langes Hupen waehrend des Ueberholens: Das reicht nicht, fahr noch weiter am Rand.
Kurzes Hupen nach dem Ueberholmanoever: Danke.
Kurzes Hupen des Ueberholten: Gern geschehen.
Kurzes Hupen bei entgegen kommendem Fahrzeug: Hi, wir kennen uns.
Sehr langes Hupen bei entgegenkommendem Fahrzeug auf der selben Fahrbahn: Wenn dir dein oder mein Leben lieb ist, macht eine Vollbremsung und lass mich weiterfahren.
Synonym zu letzterem: Vergiss es. Ich bin zwar auf deiner Fahrbahn, aber staerker als du.

Ich gehe entweder zu Fuss oder fahre im Tuk-Tuk. Die Tuk-Tuk-Fahrer sind eine Spezies fuer sich, die ich nicht naeher beschreiben will. Ich wuerde dem Autor meines Reisefuehrers aber nicht unbedingt zustimmen, wenn er schreibt: Nach ein paar Tagen hat man einen Hass auf alle Fahrer entwickelt.

Wenn es trocken aussieht, fahre ich mit einem rosa Kinderfahrrad. Wie bin zu so etwas gekommen? Ich fragte Pradeep, einen Hotelmanager, ob ich irgendwo ein Fahrrad mieten kann. Er wollte mir eins umsonst besorgen. Nach 2 Anlaeufen hatte er dann eins parat: Ein riesiges, rostiges, schwarzes Herrenrad ohne Bremsen. Ich machte ihm klar, dass es mir nichts ausmacht, eine Miete zu bezahlen, dass mir aber meine Sicherheit wichtig ist. Und ein Schutzblech waere nett bei meinen weiten Hosen. Er deutete auf ein annehmbares Rad im Hof, Typ Mountainbike. Ich: Ja, das sei in etwa das, was ich mir fuer mich vorstelle koennte. Er wuerde mir auch solch ein Rad kostenfrei besorgen koennen. Weitere 2 vergebliche Besuche in seinem Hotel. Dann war es so weit: Vor mir stand ein halb zusammengebautes nagelneues rosa Kinderrad, chinesisches Fabrikat. Pradeep strahlte stolz. Wenn ich es nicht mehr brauche, wird er es seiner 10-jaehrigen Tochter schenken. Sollte ich nun wieder sagen: Ich wuerde lieber zahlen, aber fuer etwas Brauchbares? Ich liess es dabei und fahre nun mit dem Teil. Waehrend der 3. Fahrt brach die Schraube an einer der Pedale. Ich spuere einen Anflug einer Entzuendung in meinem rechten Knie, weil ich die Beine beim Fahren nicht durchstrecken kann; ich trete mit angewinkelten Knien. (Heute abend will ich mal sehen, ob meine Familie Werkzeug hat, um den Sattel doch noch ein Stueck hoeher zu schrauben.) Bei jedem kleinen Aufwaertsverlauf der Strasse, schiebe ich das Rad aus Sorge, dass wieder eine Schraube in die Brueche geht.

Das rosa Rad ist vielleicht ein ganz anschauliches Beispiel fuer das, was ich in einem anderen Tagebucheintrag meinte: Viel Hilfsbereitschaft, die aber nur zu Irritationen fuehrt und das Problem nicht loest. Wenn ich meine Anliegen lieber selber in Angriff nehme, weil ich Kontrolle ueber ihre Loesung behalten will, fragt mein Gegenueber entgeistert "Why?" und ist mitunter beleidigt. Ich fege mein Zimmer: "Why?" Ich mache das Bad sauber: "Why?" Ich wasche meine Waesche per Hand und mit warmem Wasser: "Why?"

Ich schweife ab.

Alles Liebe von Uschi

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