Sunday, November 27, 2005
Sri Lankas Pflanzen und Tiere
nein, es folgt keine Abhandlung ueber Sri Lankas Flora und Fauna. Wie sollte ich - hatte ich doch sogar einmal "die 5" (wie mein Lateinlehrer sich ausdrueckte) in Biologie. Mein Verhaeltnis zu Pflanzen war zu gleichgueltig, das zu Tieren absolut subjektiv. Es fing schon mit dem Betreten des Biologiezimmers an, mit meinem zwanghaften Blick auf die Vogelspinne in Kunstharz gleich rechts neben der Tuer. Ich werde also nicht sachlich berichten koennen, dafuer aber ungeschminkt, d.h. ohne meine Urteile zu zensieren.
Um das Thema Spinnen moeglichst schnell hinter mir zu lassen: Ich sah eine, die meine Horrorschwelle entschieden ueberschritt; eine groessere hatte ich vorher nicht gesehen. Soll ich den Einheimischen glauben, so sind manche Spinnen in SL giftig. Einer anderen Aussage zu Folge wiederum nicht.
Ich komme schnell zu der angeblichen Kroenung der Schoepfung. Menschen gibt es in SL zu viele, finde ich. Das Land ist tatsaechlich dichter besiedelt als Deutschland (SL 280 Personen pro qkm, Deutschland 230 pro qkm). Als ich von Colombo nach Ratnapura fuhr, erschien es mir, als wuerde die Besiedlung nirgendwo wirklich abbrechen; eine Ortschaft ging irgendwie in die naechste ueber. Der Norden, den ich noch nicht gesehen habe, soll weit weniger besiedelt und - hoert, hoert - trockener sein. Wo Siedlungen sind, ist es haesslich: Schabrackige Haeuser, manche nur Betonhuetten mit Wellblechdaechern, andere in nettem Design, aber schmuddelig wenn man naher hinsieht. Muell saeumt so gut wie jede Strasse.
In scharfem Kontrast hierzu die Frauen. Sarees sind und bleiben die erotischsten Kleidungsstuecke. Die Frauen, ob schlank oder fuellig, tragen sie mit Anmut und Wuerde. Ich finde, sie haben attraktivere Maenner verdient. Die jungen Maenner sind schoen, aber albern oder kindlich. Manche widern mich an: "Yess Madam, where you going?" - "Yesss Madam, buy gems." - "Yesss Madam, you want tuk tuk?" Die Fahrer rollen dann neben mir her und wollen nicht glauben, dass ich zu Fuss gehen will. Andere Maenner sind von schmieriger Eleganz, wieder andere serioes, aber ohne Witz. Am schoensten finde ich die Moenche mit ihrem feinen Laecheln und ihren orangenen Roben. Sie sind viel mit dem Wickeln und Arrangieren dieser Roben beschaeftigt, so dass ich nicht selten huebsche Maenneroberkoerper zu sehen bekomme.
Als eintraechtige Nutzniesser menschlicher Wurschtigkeit leben die Kuehe, Hunde und Raben (oder sind es Kraehen?) Sie wuehlen in den Abfallhaufen an den Strassenraendern, beissen die Muelltueten auf und ernaehren sich daraus. Im Karl-May-Alter habe ich mich immer gefragt, was wohl ein raeudiger Hund sein mag; jetzt weiss ich es. Die meisten Hunde erregen leichte Uebelkeit in mir. Sie tun sich ausserdem durch naechtliche Ruehstoerung hervor. 3-4 mal nachts weckt mich das anfallartige Klaeffen, Geifern, Jaulen und Heulen dieser Koeter. Die Katzen dagegen pflegen auch in Sri Lanka ihre manierliche Wuerde.
Was habe ich noch gesehen?
- den einen oder anderen exotisch knallblauen, -gruenen oder -roten Vogel von dem Balkon meines goldenen Kaefigs in Ratnapura
- einige wenige Affen in den Wipfeln der Baeume entlang der Strasse, in der ich jetzt wohne
- Wasserbueffel und langbeinige Voegel (Typ Kranich, Reiher oder Storch) in den Paddyfields (Reisfelder)
- langzehige Voegelchen auf den Blaettern der Wasserrosen
- Streifenhoernchen ueberall
- merkwuerdige Reptilien, 2 davon Goanas (Warane?) und 1 sogenannter Monitor (?), der gefaehrlich sein soll
- Kakerlaken, Muecken, Blutegel, Geckos sowieso
- gelegentlich Elefanten auf der Hauptstrasse
Am Samstag war ich im Zoo von Colombo. Dem zu Folge leben in SL auch Leoparden, Krokodile, Baeren, Schlangen, Wasserschildkroeten etc.
Die Pflanzenwelt ist so ueppig, wie man es in einem heissen, feuchten Land erwarten kann. So ueppig, in fact, dass ich schlichtweg ueberfordert bin, sie zu beschreiben. Angenehme Folgen des Klimas sind Mangos fuer 20 Cent das Stueck (meine Lieblingsfrucht), Ananas (40 Cent), Guavas, Passionsfruechte (eine Delikatesse, finde ich), massenweise Bananen und die gesunde und erfrischende King Coconut, die wir trinken (10-12 Cent das Stueck).
Sobald man den Siedlungsgebieten entflohen ist, sieht man malerische Reisfelder, Dschungel, eintoenige Teeplantagen, duch die bunten (und ausgebeuteten) Pflueckerinnen optisch aufgepeppt. Ausserdem erkenne ich Banyan-Baeume an ihren gigantischen Luftwurzeln, sowie Hibiscus und Lotus. In manchen Tempelhoefen erinnern Bodhi-Baeume an Buddhas Erleuchtung.
Herzliche Gruesse von Uschi