Wednesday, December 14, 2005
Zahnreliquie und Abschied
Ihr Lieben,
jetzt, wo ich mit Birte reise, ist schwindet mein Mitteilungsbeduerfnis an euch. Eine frohe Botschaft an alle, die mit dem Blog-Lesen aus chronischer Arbeitsueberlastung sowieso nie hinterher kamen. Doch zu frueh euer Seufzer der Erleichterung, denn in Zukunft wird auch Birte diesen Blog mit Beitraegen bestuecken.
Eines will ich aber doch los werden: Angesichts seines `eigenen` Landes (nach Ansicht der Chauvinisten unter den Singhalesen) wuerde sich Buddha im Grab umdrehen. Heute z.B. waren wir im Tempel of the Tooth, dem bedeutendsten Heiligtum Sri Lankas. Dort wird angeblich ein Zahn Buddhas als Reliquie aufbewahrt. Kandy war das letzte Koenigtum in Sri Lanka, das von den britischen Kolonialherren eingenommen wurde. Wer den Zahn hat, hat die Macht. Deshalb hat dieses makabre Kleinod eine wechelvolle Geschichte hinter sich, die ich nicht weiter vertiefen will. Wesentlich ist, dass er Kriege verursacht hat. Buddha selbst bat, keine Reliquienanbeterei zu betreiben, wohlwissend, nehme ich an, wie leicht solcher Unfug verheerende Folgen haben kann.
Wir betraten den Tempel gegen 9.15, nachdem wir unsere Schuhe an einer Aufbewahrung abgegeben hatten und wie im Theater in return einen Zettel mit Nummer bekamen. Dann bezahlten wir den Eintrittspreis von 300 R.s, denn nur `foreigner` zu entrichten haben. Wir stiegen die Treppe zum Heilgsten aller Heiligtuemer hinauf. Ich verharrte dort mit grossen Augen, um mitzubekommen, was die Glaeubigen in ihren Praesenttueten trugen. Es war die Zeit des Dana Giving, d.h. es wurden dem Tempel und seinen Priestern Gaben dargebracht. Leider war das meiste verpackt. Ich konnte nur Faecher, Gewaender und Lux-Seife fuer die Priester identifizieren.
Eine Weile sahen wir den Einheimischen bei ihrer Andacht zu. Ich finde das immer faszinierend, auch in Lourdes und solchen Orten. Ueberhaupt fallen mir Parallelen zwischen der katholischen Auspraegung des Christentums und der singhalesischen Version des Buddhismus auf: die Reliquienverehrung, die Anbetungsbereitschaft, der aeusserst irritierende Widerspruch zwischen dem ethischen Anspruch des Religionsgruenders und der praktizierten Religion, ganz zu schweigen von der Institution und ihrem schamlosen Wohlstand.
Trommeln und Troeten lockten uns eine Etage tiefer, wo sich 3 Trommler in Kostuemen vor einer silberenen Tuer versammelt hatten. Da viele andere Leute dort warteten, auch Buddhistische Moenche aus anderen Laendern, versprach ich mir irgendeinen imposanten Priester (oder so), der gewiss bald aus dieser Tuer treten wuerde. Nichts dergleichen geschah. Stattdessen wurden von Maennern in Anzuegen, darunter 2 Militaers, weitere Geschenke hinter die Silbertuere verfrachtet.
Nicht alle Gaben sind freiwillig, wie diese Episode belegt, die Birte den Rest gaben: Ein Tempeldiener bemerkte, dass wir uns vor einer Buddhastatue verneigten, fischte mich aus der Menge ansonsten einheimischer Besucher und fragte mich, ob ich Buddhistin sei. Um laengere Erklaerungen zu vermeiden, sagte ich ja. Daraufhin noetigte er mich naeher an den `Altar` heran, auf dem Blueten dargebracht wurden und legte mir einige Blueten in die Hand, so dass auch ich dem Buddha durch diesen Brauch, den ich nicht pflege, huldigen kann. Das mochte ja noch ein nettes Missverstaendnis sein. Ich winkte Birte heran, die auch von den Blueten abbekam. Was anderes lag auf dem Altar als ein 1.000 Rupee-Schein! "Donation Pooja" sagte der Tempeldiener zu Birte. Was fuer eine dreiste Manipulation.
Den Rest des Vormittags verbrachten wir im botanischen Garten zwischen unschuldigen Pflanzen. Wir sahen Gewuerzbaeume (Zimt, Nelken, Piment), Orchideen, viele Palmen- und Bambusarten. maechtige Baeume mit bizarren Luftwurzeln (darunter einen Canonball Tree), wunderbare Blueten u.a. eine, die sich treffend Lobster Claw nannte. Hin und wieder naeherten sich uns freundliche Gaertner, die fuer unerwuenschte Dienstleistungen unterschiedlicher Art Rupees haben wollten: Einer bot an, eine Palme hochzuklettern, ein anderer - oops, ich weiss nicht mehr was -, ein dritter zeigte mir einen Skorpion auf seinem Besen und wollte dann auch Geld dafuer.
Draussen regnet es mal wieder, sehe ich gerade.
Herzliche Gruesse von Uschi
jetzt, wo ich mit Birte reise, ist schwindet mein Mitteilungsbeduerfnis an euch. Eine frohe Botschaft an alle, die mit dem Blog-Lesen aus chronischer Arbeitsueberlastung sowieso nie hinterher kamen. Doch zu frueh euer Seufzer der Erleichterung, denn in Zukunft wird auch Birte diesen Blog mit Beitraegen bestuecken.
Eines will ich aber doch los werden: Angesichts seines `eigenen` Landes (nach Ansicht der Chauvinisten unter den Singhalesen) wuerde sich Buddha im Grab umdrehen. Heute z.B. waren wir im Tempel of the Tooth, dem bedeutendsten Heiligtum Sri Lankas. Dort wird angeblich ein Zahn Buddhas als Reliquie aufbewahrt. Kandy war das letzte Koenigtum in Sri Lanka, das von den britischen Kolonialherren eingenommen wurde. Wer den Zahn hat, hat die Macht. Deshalb hat dieses makabre Kleinod eine wechelvolle Geschichte hinter sich, die ich nicht weiter vertiefen will. Wesentlich ist, dass er Kriege verursacht hat. Buddha selbst bat, keine Reliquienanbeterei zu betreiben, wohlwissend, nehme ich an, wie leicht solcher Unfug verheerende Folgen haben kann.
Wir betraten den Tempel gegen 9.15, nachdem wir unsere Schuhe an einer Aufbewahrung abgegeben hatten und wie im Theater in return einen Zettel mit Nummer bekamen. Dann bezahlten wir den Eintrittspreis von 300 R.s, denn nur `foreigner` zu entrichten haben. Wir stiegen die Treppe zum Heilgsten aller Heiligtuemer hinauf. Ich verharrte dort mit grossen Augen, um mitzubekommen, was die Glaeubigen in ihren Praesenttueten trugen. Es war die Zeit des Dana Giving, d.h. es wurden dem Tempel und seinen Priestern Gaben dargebracht. Leider war das meiste verpackt. Ich konnte nur Faecher, Gewaender und Lux-Seife fuer die Priester identifizieren.
Eine Weile sahen wir den Einheimischen bei ihrer Andacht zu. Ich finde das immer faszinierend, auch in Lourdes und solchen Orten. Ueberhaupt fallen mir Parallelen zwischen der katholischen Auspraegung des Christentums und der singhalesischen Version des Buddhismus auf: die Reliquienverehrung, die Anbetungsbereitschaft, der aeusserst irritierende Widerspruch zwischen dem ethischen Anspruch des Religionsgruenders und der praktizierten Religion, ganz zu schweigen von der Institution und ihrem schamlosen Wohlstand.
Trommeln und Troeten lockten uns eine Etage tiefer, wo sich 3 Trommler in Kostuemen vor einer silberenen Tuer versammelt hatten. Da viele andere Leute dort warteten, auch Buddhistische Moenche aus anderen Laendern, versprach ich mir irgendeinen imposanten Priester (oder so), der gewiss bald aus dieser Tuer treten wuerde. Nichts dergleichen geschah. Stattdessen wurden von Maennern in Anzuegen, darunter 2 Militaers, weitere Geschenke hinter die Silbertuere verfrachtet.
Nicht alle Gaben sind freiwillig, wie diese Episode belegt, die Birte den Rest gaben: Ein Tempeldiener bemerkte, dass wir uns vor einer Buddhastatue verneigten, fischte mich aus der Menge ansonsten einheimischer Besucher und fragte mich, ob ich Buddhistin sei. Um laengere Erklaerungen zu vermeiden, sagte ich ja. Daraufhin noetigte er mich naeher an den `Altar` heran, auf dem Blueten dargebracht wurden und legte mir einige Blueten in die Hand, so dass auch ich dem Buddha durch diesen Brauch, den ich nicht pflege, huldigen kann. Das mochte ja noch ein nettes Missverstaendnis sein. Ich winkte Birte heran, die auch von den Blueten abbekam. Was anderes lag auf dem Altar als ein 1.000 Rupee-Schein! "Donation Pooja" sagte der Tempeldiener zu Birte. Was fuer eine dreiste Manipulation.
Den Rest des Vormittags verbrachten wir im botanischen Garten zwischen unschuldigen Pflanzen. Wir sahen Gewuerzbaeume (Zimt, Nelken, Piment), Orchideen, viele Palmen- und Bambusarten. maechtige Baeume mit bizarren Luftwurzeln (darunter einen Canonball Tree), wunderbare Blueten u.a. eine, die sich treffend Lobster Claw nannte. Hin und wieder naeherten sich uns freundliche Gaertner, die fuer unerwuenschte Dienstleistungen unterschiedlicher Art Rupees haben wollten: Einer bot an, eine Palme hochzuklettern, ein anderer - oops, ich weiss nicht mehr was -, ein dritter zeigte mir einen Skorpion auf seinem Besen und wollte dann auch Geld dafuer.
Draussen regnet es mal wieder, sehe ich gerade.
Herzliche Gruesse von Uschi