Sunday, December 04, 2005
Was ich mag
Ihr Lieben,
ich mag die eifrigen Stimmen, wenn Vidushi und Tharushi das Einmaleins aufsagen oder die Wochentage singen. Ich mag die Art, wie ihre Privatschule organisiert ist - nach Haeusern (Cignus, Ursa, Aquila, Cetus). Die Sportfeste sind wie Olympiaden: Ein olympisches Feuer wird entfacht, jeder Hausrepraesentant schwoert den olympischen Eid. Die Teilnehmer werden namentlich aufgerufen. Alle Eltern sehen zu; manche nehmen gar an einem Elternwettlauf teil. Neben den ueblichen gibt es Faecher wie Human Values, Speech & Drama, Effective Speech, Health Education. Nachmittags koennen die Kids Schach lernen, Tennis, Badminton, Debattieren, Schwimmen. Mir wird die Atmosphaere der Abwertung in unserem Bildungssystem doppelt bewusst.
Ich mag es, wenn die kleine Kusine mich besuchen kommt. Sie versteht nicht, dass ihr Vater bei dem Versuch, einen Brand zu loeschen, starb. Sie will auf den Arm genommen werden und Woerter nachsagen.
Ich mag die grossen Augen der Kinder, ihr Laecheln. Ein Klischee, aber es ist so. Die Rufe der Kinder, wenn ich spazieren gehe oder zum Tempel, durch mein Dorf oder die Eisenbahnlinie am Meer entlang (wo der Tsunami zuschlug). "Hello, Ursula Teacher!" Diejenigen, die meinen Kontext nicht kennen: "Hello Bonbon!" Offenbar verteilen die deutschen Touris Bontschen.
Die orangenen Roben der Moenche sind ein Augenschmaus, der immer und ueberall unvermittelt erfreuen kann. Schoen ist der aufrechte, gelassene Gang der Menschen in meinem Dorf. Selbst im Alltagsgeschaeft gibt es keine Eile. Das Bild der Maenner, die ihre Frauen, Toechter, Schwestern auf den Querstangen ihrer alten Fahrraeder an den Schlagloechern vorbeibalancieren strahlt eine ueberraschende Intimitaet aus, weil sich Frauen und Maenner in der Oeffentlichkeit ansonsten nicht beruehren.
Ich mag den tropischen Ohrenkitzel kurz vor der Morgendaemmerung. Das Zirpen, sanfte Pfeifen, schrille Rufen, Gurren, Kraechzen, Zwitschern, Quaken, Trillern, Fiepen, Gluckern, Schnalzen der Voegel bilden ein kontinuierliches Hintergrundgeraeusch. Ab und zu draengen sich andere Rufe in den Vordergrund: die Hunde (Schauder), ein Paar Katzen und Undefinierbares. The mind boggles. (Wer hat eine gute Uebersetzung dafuer? Mir faellt spantan nur "Man fragt sich ..." ein) Eine Art inhalierendes dumpfes Husten wuerde ich ich den Affen zuschreiben. Es ist aufregend und bequem, unter dem Moskitonetz zu liegen, umschmeichelt von meinem Seidenschlafsack (Manufaktum, 10 EURO) zu lauschen und wegzudaemmern.
Um 5 morgens startet der Tempelgesang von enem Tonband. Kein Argernis wie penetrante Kirchenglocken, sondern beruhigend und ein Anlass, noch eimal fuer ein halbes Stuendchen zu entschlummern.
Herzliche Gruesse von Uschi
ich mag die eifrigen Stimmen, wenn Vidushi und Tharushi das Einmaleins aufsagen oder die Wochentage singen. Ich mag die Art, wie ihre Privatschule organisiert ist - nach Haeusern (Cignus, Ursa, Aquila, Cetus). Die Sportfeste sind wie Olympiaden: Ein olympisches Feuer wird entfacht, jeder Hausrepraesentant schwoert den olympischen Eid. Die Teilnehmer werden namentlich aufgerufen. Alle Eltern sehen zu; manche nehmen gar an einem Elternwettlauf teil. Neben den ueblichen gibt es Faecher wie Human Values, Speech & Drama, Effective Speech, Health Education. Nachmittags koennen die Kids Schach lernen, Tennis, Badminton, Debattieren, Schwimmen. Mir wird die Atmosphaere der Abwertung in unserem Bildungssystem doppelt bewusst.
Ich mag es, wenn die kleine Kusine mich besuchen kommt. Sie versteht nicht, dass ihr Vater bei dem Versuch, einen Brand zu loeschen, starb. Sie will auf den Arm genommen werden und Woerter nachsagen.
Ich mag die grossen Augen der Kinder, ihr Laecheln. Ein Klischee, aber es ist so. Die Rufe der Kinder, wenn ich spazieren gehe oder zum Tempel, durch mein Dorf oder die Eisenbahnlinie am Meer entlang (wo der Tsunami zuschlug). "Hello, Ursula Teacher!" Diejenigen, die meinen Kontext nicht kennen: "Hello Bonbon!" Offenbar verteilen die deutschen Touris Bontschen.
Die orangenen Roben der Moenche sind ein Augenschmaus, der immer und ueberall unvermittelt erfreuen kann. Schoen ist der aufrechte, gelassene Gang der Menschen in meinem Dorf. Selbst im Alltagsgeschaeft gibt es keine Eile. Das Bild der Maenner, die ihre Frauen, Toechter, Schwestern auf den Querstangen ihrer alten Fahrraeder an den Schlagloechern vorbeibalancieren strahlt eine ueberraschende Intimitaet aus, weil sich Frauen und Maenner in der Oeffentlichkeit ansonsten nicht beruehren.
Ich mag den tropischen Ohrenkitzel kurz vor der Morgendaemmerung. Das Zirpen, sanfte Pfeifen, schrille Rufen, Gurren, Kraechzen, Zwitschern, Quaken, Trillern, Fiepen, Gluckern, Schnalzen der Voegel bilden ein kontinuierliches Hintergrundgeraeusch. Ab und zu draengen sich andere Rufe in den Vordergrund: die Hunde (Schauder), ein Paar Katzen und Undefinierbares. The mind boggles. (Wer hat eine gute Uebersetzung dafuer? Mir faellt spantan nur "Man fragt sich ..." ein) Eine Art inhalierendes dumpfes Husten wuerde ich ich den Affen zuschreiben. Es ist aufregend und bequem, unter dem Moskitonetz zu liegen, umschmeichelt von meinem Seidenschlafsack (Manufaktum, 10 EURO) zu lauschen und wegzudaemmern.
Um 5 morgens startet der Tempelgesang von enem Tonband. Kein Argernis wie penetrante Kirchenglocken, sondern beruhigend und ein Anlass, noch eimal fuer ein halbes Stuendchen zu entschlummern.
Herzliche Gruesse von Uschi