Wednesday, December 21, 2005
Fortbewegung
Eine sehr interessante Erfahrung sind die Moeglichkeiten, mich in diesem Land fortzubewegen.
Als Westerner werden wir grundsaetzlich wie Autos behandelt. D.h. wenn ich zu Fuss einen Weg entlang gehen moechte und frage, ob der Weg z.B. zum Mahabodhi-Baum fuehrt, kommt ggf. die Antwort 'road ist closed! you have to go that way'.
'that way' ist die Hauptstrasse voller Autos. Die 'closed road' ist dann eine Abkuerzung, die Fussgaenger und Radfahrer singhalesischer Abstammung natuerlich benutzen koennen, wir aber offensichtlich nicht. Inzwischen frage ich nicht mehr, sondern gehe und fahre einfach wie es mir moeglich erscheint ( so lange ich gelassen werde und mich kein Security Officer zurueckpfeift). Das gibt dann keine Probleme und ich sehe Sri Lanka von einer ganz anderen Seite.
Gestern habe ich mir in Anuradhapura ein Fahrrad geliehen. Es gibt sehr viele historische Gebauede und Anlagen zu besichtigen, die relativ weit auseinander liegen. In Deutschland wuerde ich wohl zu Fuss gehen, aber bei dem heissen Klima macht mir das hier keinen Spass. Mit dem Fahrrad geht das wunderbar. Es gibt in der Regel alte Hollandraeder, die sehr leicht fahren. Die Bremsen funktionieren fuer das Tempo, das man fahren kann, ausreichend. Ich kann natuerlich nicht durch die Strassen fahren ohne staendig angequatscht zu werden. Aber das ist ja freundlich gemeint, auch die Pfiffe von den Baustellen oder anderen Ansammlungen junger Maenner... Dass ich ihre Mutter sein koennte, scheinen sie nicht zu registrieren.
Das Rad fahren selbst ist ein reines Vergnuegen: der Wind kuehlt etwas, ich sehe viel mehr als aus dem Auto, kann ganz andere Wege fahren (s.o.) und bekomme auch nette Kontakte.
Dann fahre ich zum Mahabodhi-Baum, ein Heiligtum, der aelteste, verbriefte Ableger des Bodhi-Baums, unter dem Buddha seine Erleuchtung erlangte. Die Security Officers blicken mich streng an, Frage: 'where are you going?' etc. etc. Das Ende vom Lied: ich muss mein Fahrrad auf dem Parkplatz abstellen, wo die Autos der auslaendischen Touristen stehen, nicht bei den anderen Fahrraedern der Singhalesen (vgl. ganz oben). Das war sowohl fuer das Fahrrad als auch mich total unpraktisch. Hier kann ich die Denkweise meines Gastlandes nicht mehr durchschauen.
In diesen Zusammenhang passt das Thema Entfernungen. Wenn wir zu Fuss unterwegs waren, bekamen wir oft die erfragte Auskunft nach der Richtung 'this way' mit der Ergaenzung '100 metres'. Das ist nicht woertlich zu nehmen, sondern bedeutet 'nicht weit'. Meistens ist es dann doch eine Ecke weiter als hundert Meter.
Zum Auto fahren schreibe ich jetzt nichts mehr. Das tun wir nicht selbst und die Regeln des Hupens sind in jedem Reisefuehrer beschrieben.
Ergaenzung am 24.12.:
Gestern bin ich mit der Eisenbahn von Nuwara Eliya (in den Bergen) nach Colombo gefahren. Eine Strecke von ca. 230 km kostete in der 2. Klasse 193 Rupien. Das sind rund 2 Euro.
1. Klasse war voll und muss ein paar Tage im Voraus gebucht werden.
In der 2. und 3. Klasse gibt es keine Reservierungen. In der 3. Klasse sind oft nur Stehplaetze.
In der 2. gibt es davon auch jede Menge, wie mich die Erfahrung gelehrt hat.
Die 230 km hat der Zug in einer Zeit von 7 Stunden zurueckgelegt. Wir sind mit 3/4 Stunde Verspaetung losgefahren und mit 1 1/2 Stunden Verspaetung angekommen.
Die ersten 2 1/2 Stunden durfte ich stehen. Zwischendurch wurde der Zug immer voller, an einer Umsteigestation entspannte es sich dann etwas. Wenn jemand aussteigt, spricht man mit der Person ab, ob man den Sitzplatz bekommt. Ich hatte Glueck, weil ich relativ schnell zum Sitzem kam. Es gab einige Leute, die die ganze Zeit gestanden haben! Die Singhalesen koennen durchaus auch im Stehen schlafen, habe ich gelernt.
Es sitzen viele zu viert oder fuenft in 2 Sitzen, auch auf der Armlehne bekam ich freundlicherweise einen Platz angeboten. Das habe ich dann spaeter genauso gemacht, obwohl man dann seinem Nachbarn ziemlich auf die Pelle rueckt. Aber das ist in Sri Lanka leicht mal so.
Ansonsten war die Atmosphaere sehr freundlich und gut gelaunt.
Ich war froh, dem Auto entronnen zu sein und nicht mehr hupend und hektisch durchs Land gekarrt zu werden.
Ich finde es einen Skandal wie wenig die Regierung in die Eisenbahn investiert. Die Waggons sind noch aus Kolonialzeiten, total heruntergekommen. Die Strecken sind eingleisig, was natuerlich Verspaetungen foerdert. Dabei sind alle Zuege voll, die Menschen haengen an den offenen Tueren oder stehen auf den Puffern zwischen den Waggons. Besonders betroffen sind die Pendlerzuege. Es gibt eigentlich nur drei Strecken durch das Land. Ich verstehe nicht, wie man die Energie der Leute derart strapazieren kann.
Ach ja, jetzt in Colombo bin ich natuerlich schon Tuc Tuc oder 3-Wheeler gefahren. Hier kann sich auch kein Mensch vorstellen, dass man freiwillig zu Fuss geht. Also hupt staendig ein leeres Tuc Tuc neben einem oder ein '(Yes,)Madam, Taxi?' laesst sich hoeren. Ich fand es recht bequem, schnell und fuer uns preiswert. Eine Strecke von 7 km kostet rund 150 Rupien, also 1,50 Euro. Natuerlich muss man wieder ueber den Preis verhandeln...
Viele Gruesse fuer heute,
Birte
Als Westerner werden wir grundsaetzlich wie Autos behandelt. D.h. wenn ich zu Fuss einen Weg entlang gehen moechte und frage, ob der Weg z.B. zum Mahabodhi-Baum fuehrt, kommt ggf. die Antwort 'road ist closed! you have to go that way'.
'that way' ist die Hauptstrasse voller Autos. Die 'closed road' ist dann eine Abkuerzung, die Fussgaenger und Radfahrer singhalesischer Abstammung natuerlich benutzen koennen, wir aber offensichtlich nicht. Inzwischen frage ich nicht mehr, sondern gehe und fahre einfach wie es mir moeglich erscheint ( so lange ich gelassen werde und mich kein Security Officer zurueckpfeift). Das gibt dann keine Probleme und ich sehe Sri Lanka von einer ganz anderen Seite.
Gestern habe ich mir in Anuradhapura ein Fahrrad geliehen. Es gibt sehr viele historische Gebauede und Anlagen zu besichtigen, die relativ weit auseinander liegen. In Deutschland wuerde ich wohl zu Fuss gehen, aber bei dem heissen Klima macht mir das hier keinen Spass. Mit dem Fahrrad geht das wunderbar. Es gibt in der Regel alte Hollandraeder, die sehr leicht fahren. Die Bremsen funktionieren fuer das Tempo, das man fahren kann, ausreichend. Ich kann natuerlich nicht durch die Strassen fahren ohne staendig angequatscht zu werden. Aber das ist ja freundlich gemeint, auch die Pfiffe von den Baustellen oder anderen Ansammlungen junger Maenner... Dass ich ihre Mutter sein koennte, scheinen sie nicht zu registrieren.
Das Rad fahren selbst ist ein reines Vergnuegen: der Wind kuehlt etwas, ich sehe viel mehr als aus dem Auto, kann ganz andere Wege fahren (s.o.) und bekomme auch nette Kontakte.
Dann fahre ich zum Mahabodhi-Baum, ein Heiligtum, der aelteste, verbriefte Ableger des Bodhi-Baums, unter dem Buddha seine Erleuchtung erlangte. Die Security Officers blicken mich streng an, Frage: 'where are you going?' etc. etc. Das Ende vom Lied: ich muss mein Fahrrad auf dem Parkplatz abstellen, wo die Autos der auslaendischen Touristen stehen, nicht bei den anderen Fahrraedern der Singhalesen (vgl. ganz oben). Das war sowohl fuer das Fahrrad als auch mich total unpraktisch. Hier kann ich die Denkweise meines Gastlandes nicht mehr durchschauen.
In diesen Zusammenhang passt das Thema Entfernungen. Wenn wir zu Fuss unterwegs waren, bekamen wir oft die erfragte Auskunft nach der Richtung 'this way' mit der Ergaenzung '100 metres'. Das ist nicht woertlich zu nehmen, sondern bedeutet 'nicht weit'. Meistens ist es dann doch eine Ecke weiter als hundert Meter.
Zum Auto fahren schreibe ich jetzt nichts mehr. Das tun wir nicht selbst und die Regeln des Hupens sind in jedem Reisefuehrer beschrieben.
Ergaenzung am 24.12.:
Gestern bin ich mit der Eisenbahn von Nuwara Eliya (in den Bergen) nach Colombo gefahren. Eine Strecke von ca. 230 km kostete in der 2. Klasse 193 Rupien. Das sind rund 2 Euro.
1. Klasse war voll und muss ein paar Tage im Voraus gebucht werden.
In der 2. und 3. Klasse gibt es keine Reservierungen. In der 3. Klasse sind oft nur Stehplaetze.
In der 2. gibt es davon auch jede Menge, wie mich die Erfahrung gelehrt hat.
Die 230 km hat der Zug in einer Zeit von 7 Stunden zurueckgelegt. Wir sind mit 3/4 Stunde Verspaetung losgefahren und mit 1 1/2 Stunden Verspaetung angekommen.
Die ersten 2 1/2 Stunden durfte ich stehen. Zwischendurch wurde der Zug immer voller, an einer Umsteigestation entspannte es sich dann etwas. Wenn jemand aussteigt, spricht man mit der Person ab, ob man den Sitzplatz bekommt. Ich hatte Glueck, weil ich relativ schnell zum Sitzem kam. Es gab einige Leute, die die ganze Zeit gestanden haben! Die Singhalesen koennen durchaus auch im Stehen schlafen, habe ich gelernt.
Es sitzen viele zu viert oder fuenft in 2 Sitzen, auch auf der Armlehne bekam ich freundlicherweise einen Platz angeboten. Das habe ich dann spaeter genauso gemacht, obwohl man dann seinem Nachbarn ziemlich auf die Pelle rueckt. Aber das ist in Sri Lanka leicht mal so.
Ansonsten war die Atmosphaere sehr freundlich und gut gelaunt.
Ich war froh, dem Auto entronnen zu sein und nicht mehr hupend und hektisch durchs Land gekarrt zu werden.
Ich finde es einen Skandal wie wenig die Regierung in die Eisenbahn investiert. Die Waggons sind noch aus Kolonialzeiten, total heruntergekommen. Die Strecken sind eingleisig, was natuerlich Verspaetungen foerdert. Dabei sind alle Zuege voll, die Menschen haengen an den offenen Tueren oder stehen auf den Puffern zwischen den Waggons. Besonders betroffen sind die Pendlerzuege. Es gibt eigentlich nur drei Strecken durch das Land. Ich verstehe nicht, wie man die Energie der Leute derart strapazieren kann.
Ach ja, jetzt in Colombo bin ich natuerlich schon Tuc Tuc oder 3-Wheeler gefahren. Hier kann sich auch kein Mensch vorstellen, dass man freiwillig zu Fuss geht. Also hupt staendig ein leeres Tuc Tuc neben einem oder ein '(Yes,)Madam, Taxi?' laesst sich hoeren. Ich fand es recht bequem, schnell und fuer uns preiswert. Eine Strecke von 7 km kostet rund 150 Rupien, also 1,50 Euro. Natuerlich muss man wieder ueber den Preis verhandeln...
Viele Gruesse fuer heute,
Birte