Friday, October 21, 2005
Vollmondtag
Am 17.10. war Vollmond. An jedem Vollmond feiern die Buddhisten in Sri Lanka den ganzen Tag lang Buddhas Erscheinen. Schon morgens sieht man im TV Feierlichkeiten der erlesenen Art: prdeigende Moenche, Kinder und weissen Kleidern, Menschen die Gaben in Tempeln darbringen.
Das Oberhaupt der Familie, in der ich wohne, ist ein grosser Wohltaeter der hiesigen Tempel und daher ein VIP, der besondere Behandlung erfaehrt, wenn er am Vollmondtag am Tempel vorfaehrt. Es sind um 17 Uhr schon viele Leute versammelt, insbesonder Kinder in weissen Kleidern, die alle von mir fotografiert werden wollen und um instant Kopien der Fotos bitten.
Als VIPs werden wir erst einmal zu Tee, Keksen und Bananen gebeten. Zu meinem grossen Glueck ist eine lebhafte, tatkreaftige Frau aus Colombo angereist, die 20 Jahre lang bei CocaCola gearbeitet hat und daher sehr gut Englisch spricht. Sobar ein paar Saetze Deutsch erinnert sie noch aus ihrem Deutschkurs am Goethe-Institut. Sie erklaert mir vieles, das sonst um Dunkel meiner Vorurteile abgestempelt worden waere. Jetzt kann ich es im Hellen meiner Urteile abstempeln :-( Auf alle Faelle sind Srianis Erlaeuterungen eine Bereicherung.
Sie zeigt mir alle Tempel. Ich darf alles fotografieren. Der Ablauf des Poja-Festes ist nun folgender:
Ab 18 Uhr bildet sich eine lange Schlange von Menschen, die vornehmlich Blueten in Schalen tragen. Sie werden an uns in Andacht Verharrenden vorbeigetragen und von jedem kurz beruehrt - in etwa wie gesegnet. Dann werden sie der Buddhastatue im Tempel dargebracht. Zum Schluss defilieren die VIPs mit ihren Opfergaben durch die Menge. Sie tragen Tabletts mit 3 Bechern und einem Napf. Die Tabletts sind bedeckt. Zu diesen Leuten gehoert auch "meine Familie". Diese besonderen Opfergaben gehen in einen Tempel fuer Buddhas erleuchtete Schueler. Jeder bekommt ein solches Tablett vorgesetzt. Sriani erklaert mir, dass die Becher Saefte enthalten, die Naepfe u.a. Betelnuesse. Nachher wird alles den Voegeln ueberlassen.
Ich werde zu dem jeweilgen Ort des Geschehens bugsiert. Herr Chandrasekara, der Hauptwohltater, wird mit einem gelben Sonnenschirm beschattet. Ansonsten spielt er seine Rollen in aller Unscheinbar keit.
Um 19 Uhr versammlen wir uns in einem dritten Tempelgebaeude auf dem Fussboden, die VIPs auf einer Matte in der Naehe der "Kanzel" des Priesters. Die Andacht beginnt mit einer 10=minuetigen Rede. Die VIPs zuenden Kerzen aus Kokosnussoel an. Es folgen 45 Minuten echoartiger Sprechgesang auf Pali, wovon ich immerhin die Zufluchtsformel zu Buddha, Dhamma und Sangha erkenne. Ich bin ganz sicher, dass die Andacht danach zuende ist - aber weit gefehlt!
Der Priester haelt eine 70-minuetige Predigt zur Bedeutung des Vollmondtages, ueber Ananda, Buddhas Lieblingsjuenger, ueber die Tugenden der Juenegr und die Untugend der Gier, bzw. der Tugend des Loslassens. Ganz hin und wieder kiechert die Gemeinde, wenn er Anspielungen auf heutige Politiker und andere Parvenus macht.
Nach der Predigt folgt abermals Sprechgesang, weitere Darbietungen von Gaben, durunter deutlich erkennbar eine Tube Zahnpasta - diesmal an den Priester von seiten der VIPs. Bei jeder Gabe murmelt die Gemeinde "Sadhu, Sadhu, Sadhu" Die Wohltaeter werden namentlich verlesen. Ich erkenne den Namen Chandrasekara, aber auch meinen Namen und "Germany". Bei jedem Namen ertoent das "Sadhu, Sadhu, Sadhu", was offenbar so etwas wie ein Wohlergehenswunsch ist oder eine Bestaetigung dessen, was der Priester sagt. Ich bekomme spaeter erklaert, dass ich als Weitgereiste erwaehnt wurde; moege ich sicher reisen und gesund bleiben.
Zum Schluss noch etwas Sprechgesang, und 2 1/2 Stunden sind vergangen. Einige Gemeindemitglieder beruehren den Boden zu Fuessen des Priesters, der aus seinem Kanzelpavillion hervorgekommen ist. Nach der Andacht werden wir VIPs noch einmal zu Keksen und Tee gebeten, und ich werde gefragt, wie ich das Ganze nun fand und ob der Priester in Deutschland so willkommen waere wie ich hier.
Viele Gruesse von Uschi
Das Oberhaupt der Familie, in der ich wohne, ist ein grosser Wohltaeter der hiesigen Tempel und daher ein VIP, der besondere Behandlung erfaehrt, wenn er am Vollmondtag am Tempel vorfaehrt. Es sind um 17 Uhr schon viele Leute versammelt, insbesonder Kinder in weissen Kleidern, die alle von mir fotografiert werden wollen und um instant Kopien der Fotos bitten.
Als VIPs werden wir erst einmal zu Tee, Keksen und Bananen gebeten. Zu meinem grossen Glueck ist eine lebhafte, tatkreaftige Frau aus Colombo angereist, die 20 Jahre lang bei CocaCola gearbeitet hat und daher sehr gut Englisch spricht. Sobar ein paar Saetze Deutsch erinnert sie noch aus ihrem Deutschkurs am Goethe-Institut. Sie erklaert mir vieles, das sonst um Dunkel meiner Vorurteile abgestempelt worden waere. Jetzt kann ich es im Hellen meiner Urteile abstempeln :-( Auf alle Faelle sind Srianis Erlaeuterungen eine Bereicherung.
Sie zeigt mir alle Tempel. Ich darf alles fotografieren. Der Ablauf des Poja-Festes ist nun folgender:
Ab 18 Uhr bildet sich eine lange Schlange von Menschen, die vornehmlich Blueten in Schalen tragen. Sie werden an uns in Andacht Verharrenden vorbeigetragen und von jedem kurz beruehrt - in etwa wie gesegnet. Dann werden sie der Buddhastatue im Tempel dargebracht. Zum Schluss defilieren die VIPs mit ihren Opfergaben durch die Menge. Sie tragen Tabletts mit 3 Bechern und einem Napf. Die Tabletts sind bedeckt. Zu diesen Leuten gehoert auch "meine Familie". Diese besonderen Opfergaben gehen in einen Tempel fuer Buddhas erleuchtete Schueler. Jeder bekommt ein solches Tablett vorgesetzt. Sriani erklaert mir, dass die Becher Saefte enthalten, die Naepfe u.a. Betelnuesse. Nachher wird alles den Voegeln ueberlassen.
Ich werde zu dem jeweilgen Ort des Geschehens bugsiert. Herr Chandrasekara, der Hauptwohltater, wird mit einem gelben Sonnenschirm beschattet. Ansonsten spielt er seine Rollen in aller Unscheinbar keit.
Um 19 Uhr versammlen wir uns in einem dritten Tempelgebaeude auf dem Fussboden, die VIPs auf einer Matte in der Naehe der "Kanzel" des Priesters. Die Andacht beginnt mit einer 10=minuetigen Rede. Die VIPs zuenden Kerzen aus Kokosnussoel an. Es folgen 45 Minuten echoartiger Sprechgesang auf Pali, wovon ich immerhin die Zufluchtsformel zu Buddha, Dhamma und Sangha erkenne. Ich bin ganz sicher, dass die Andacht danach zuende ist - aber weit gefehlt!
Der Priester haelt eine 70-minuetige Predigt zur Bedeutung des Vollmondtages, ueber Ananda, Buddhas Lieblingsjuenger, ueber die Tugenden der Juenegr und die Untugend der Gier, bzw. der Tugend des Loslassens. Ganz hin und wieder kiechert die Gemeinde, wenn er Anspielungen auf heutige Politiker und andere Parvenus macht.
Nach der Predigt folgt abermals Sprechgesang, weitere Darbietungen von Gaben, durunter deutlich erkennbar eine Tube Zahnpasta - diesmal an den Priester von seiten der VIPs. Bei jeder Gabe murmelt die Gemeinde "Sadhu, Sadhu, Sadhu" Die Wohltaeter werden namentlich verlesen. Ich erkenne den Namen Chandrasekara, aber auch meinen Namen und "Germany". Bei jedem Namen ertoent das "Sadhu, Sadhu, Sadhu", was offenbar so etwas wie ein Wohlergehenswunsch ist oder eine Bestaetigung dessen, was der Priester sagt. Ich bekomme spaeter erklaert, dass ich als Weitgereiste erwaehnt wurde; moege ich sicher reisen und gesund bleiben.
Zum Schluss noch etwas Sprechgesang, und 2 1/2 Stunden sind vergangen. Einige Gemeindemitglieder beruehren den Boden zu Fuessen des Priesters, der aus seinem Kanzelpavillion hervorgekommen ist. Nach der Andacht werden wir VIPs noch einmal zu Keksen und Tee gebeten, und ich werde gefragt, wie ich das Ganze nun fand und ob der Priester in Deutschland so willkommen waere wie ich hier.
Viele Gruesse von Uschi